26. Verlegung

Abendprogramm

Die Abschlussveranstaltung findet um 19.00 Uhr in der Aula der Franz-Oberthür-Schule statt zum Thema:

Gestapo-Notgefängnis in der Friesstraße: Zwangsarbeiter in Würzburg – gebraucht, missbraucht, ermordet

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Einführung in das Thema Zwangsarbeiter

Das nationalsozialistische Deutschland schuf eines der größten Zwangsarbeitersysteme der Geschichte. Über 12 Mio. Menschen, vorwiegend deportiert aus den besetzten Gebieten Ost- und Westeuropas, leisteten im Verlauf des 2. Weltkriegs unfreiwillig Arbeit in allen Bereichen der deutschen Wirtschaft.

Großunternehmen wie auch kleinere Handwerksbetriebe, Kommunen, Behörden, aber auch Bauern und private Haushalte forderten immer mehr Arbeitskräfte aus dem Arbeitskräftereservoir der besetzten Gebiete Osteuropas an. In den besetzten Gebieten wurde nach dem Scheitern der freiwilligen Anwerbung die Zwangsrekrutierung ganzer Jahrgänge und ihre Deportation nach Deutschland veranlasst.

Damals hielten neben den 2 Mio. Kriegsgefangenen 6 Mio. zivile Zwangsarbeiter, ein Drittel davon Frauen, (Stand Sommer 1944) mit ihrer Arbeitsleistung die Versorgung der Bevölkerung und die Rüstungsbetriebe aufrecht. So profitierten in Würzburg auch viele Betriebe davon, etwa in Industrie, Handwerk, Landwirtschaft, Gastronomie, aber auch bei der Stadt und in Arztpraxen.

Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion und Polen waren durch Sondererlasse der staatlichen Willkür oft wehrlos ausgeliefert; sie durften ihre Lager oft nur zur Arbeit verlassen und hatten eine Kennzeichnungspflicht auf der Kleidung. Verheerende Lebensbedingungen und Repressalien bei kleinsten Verstößen, wie Bummelei, aber auch sexuelle Übergriffe und Schwangerschaften trafen Frauen am härtesten.

Auf ihren Wegen vom Lager zum Arbeitseinsatz waren die Zwangsarbeiter unübersehbar, ihre allgegenwärtige und überall sichtbare Diskriminierung wurde hingenommen. Mehr noch als andere nationalsozialistische Verbrechen fand die Zwangsarbeit direkt vor unserer Haustür statt – auch in Würzburg.

In seinem 2005 erschienenen Buch „Kriegsgefangene und Fremdarbeiter in Würzburg“ berichtet Leo Hahn von durchschnittlich 6000 bis zu 9000 ausländischen Arbeitskräften im Einsatz in allen Bereichen des städtischen Wirtschaftslebens.

Rüstungsrelevante Industriebetriebe, Universität und Kliniken, Behörden wie Freiberufler, Handwerker und private Haushalte griffen wegen des kriegsbedingten Arbeitskräftemangels auf Zwangsarbeiter zurück.Aus den erhaltenen Unterlagen des Arbeitsamtes Würzburg ermittelte Hahn für den Zeitraum zwischen dem 1. 4. 1941 und dem 21. 12. 1943 neben 2922 namentlich registrierten Zwangsarbeitern 683 Kriegsgefangene in Würzburger Betrieben. Das alltägliche Leben im Krieg konnte in Würzburg nur mit diesen zwangsrekrutierten Arbeitskräften bewältigt werden, und die Versorgung mit Nahrungsmitteln aus der Landwirtschaft wurde durch ihren Arbeitseinsatz garantiert.

Die zahlenmäßig größte Gruppe stellten französische Fremdarbeiter, die als Kriegsgefangene oder Zivilarbeiter eine relativ gute Behandlung erfuhren. Ihre Unterbringung erfolgte in zahlreichen Lagern, wie der Trainkaserne im Mainviertel, der Turnhalle TV73 in der Korngasse oder beim Ruderclub in der Mergentheimer Straße, die als Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht unterstanden Die Lager im Neuen Hafen und in den Baracken auf dem Flugplatz waren für russische Gefangene. Fremdarbeiter waren in den nahezu 20 von der DAF (Deutschen Arbeitsfront) kontrollierten Unterkünften zusammengepfercht, wie dem Durchgangslager am Main unterhalb der Jahnterrasse oder rechts der Löwenbrücke und in diversen Gaststätten.

Auf dem Weg zu den Arbeitseinsätzen waren die „Fremdvölkischen“ für jeden Würzburger unübersehbar, ihre ärmlichen und ausgehungerten Gestalten mussten auffallen, barfüßige Russinnen wurden beiläufig als Beispiel russischer Lebensweise hingestellt.

Und doch gibt es auch in Würzburg trotz des Verbots persönlicher Kontaktaufnahme kleine Anzeichen von Solidarität und konkrete Hilfsleistungen wie das heimliche Zustecken von Nahrungsmitteln. Dieses zwischenmenschliche Gefühl war von großer Bedeutung für das Überleben der Ausländer, aber auch für die moralische Integrität des Helfenden.

In Deutschland – nicht nur in Würzburg – waren die Schicksale der Zwangsarbeiter lange vergessen; trotz der Verurteilung in den Nürnberger Prozessen galt die Zwangsarbeit lange als Begleiterscheinung von Krieg und Besatzung. Erst die Entschädigungen durch Industrie und Staat um die Jahrtausendwende legten den Fokus auf diese Opfergruppe.Mit der kommenden Stolpersteinverlegung soll am Ort des Notgefängnisses in der Friesstraße dieser Zwangsarbeitsopfer gedacht werden.Doch gibt es auch in Würzburg trotz des Verbots persönlicher Kontaktaufnahme kleine Anzeichen von Solidarität und konkrete Hilfsleistungen wie das heimliche Zustecken von Nahrungsmitteln. Dieses zwischenmenschliche Gefühl war von großer Bedeutung für das Überleben der Ausländer, aber auch für die moralische Integrität des Helfenden.

Theresa Dietl




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