Zeitung / Volksblatt WÜ 13.05.2005 17:10:00
 
Klares Ja im Stadtrat für Stolpersteine
 
Würzburg Mit überwältigender Mehrheit plädierte der Stadtrat dafür, dass sich auch die Stadt Würzburg an dem Projekt "Stolpersteine" zum Gedenken an die Deportationsopfer der Nazi-Diktatur beteiligt. Lediglich Altoberbürgermeister Dr. Klaus Zeitler (Würzburger Liste) stimmte dagegen und handelte sich dafür Kritik ein.
 
Die Idee für die Stolpersteine stammt von dem Kölner Künstler und Bildhauer Gunter Demnig, der bereits in etwa 60 deutschen Städten über 4500 der zehn mal zehn Zentimeter großen Pflastersteine verlegen ließ. In die Steine, deren Oberfläche eine Messingplatte bildet, sind die Namen und Lebensdaten der Opfer eingraviert. Die Idee für eine Beteiligung Würzburgs an dieser Aktion stammt von Grünen-Stadträtin Benita Stolz, die zwischenzeitlich auch ein überparteiliches und überkonfessionelles Bündnis für das Projekt gegründet hat. Die Kosten in Höhe von 95 Euro pro Stolperstein werden über Patenschaften von Privatpersonen, Firmen, Schulen oder Organisationen aufgebracht. Die Steine, die in Gehwege und Plätze vor den Häusern der Opfer eingelassen werden, sollen den Betrachter gedanklich stolpern lassen, ihm das Schicksal der Millionen verschleppten und ermordeten Menschen in die Erinnerung rufen. Dr. Zeitler schloss sich in seinem Beitrag den Argumenten von Charlotte Knobloch, der Vizepräsidentin des Zentralrats der deutschen Juden an, die in der Aktion Stolpersteine eine "Banalisierung des Gedenkens" sieht. Außerdem, so Zeitler, liefen die meisten Passanten achtlos über die Steine, sie würden von Hunden beschmutzt oder fielen Zerstörern zum Opfer. Zeitler meinte, man solle sich nicht auf eine "Modeentwicklung" einlassen. Benita Stolz entgegnete, dass Knobloch innerhalb des Zentralrats eine absolute Minderheitsposition vertrete. Sie widersprach auch Zeitlers Behauptung, die Steine würden ausschließlich von noch lebenden Angehörigen der Verschleppten bezahlt, was zu einer Sonderbehandlung von bestimmten Juden führe. Joachim Spatz (FDP) befürwortete das Projekt, denn "der Gradmesser für die Humanität einer Gesellschaft ist immer die Fähigkeit, wie weit sich diese an ihre eigenen humanitären Verfehlungen erinnern kann". Erich Felgenhauer (Bürgerforum) verwies darauf, dass niemand auf die Idee komme, Kriegerdenkmale zu beseitigen, nur weil diese ab und zu beschmutzt würden. Am Ende stand Dr. Zeitler einmal mehr allein auf weiter Flur und nach dem positiven Votum des Stadtrats könnten nun noch in diesem Jahr die ersten Stolpersteine in Würzburg verlegt werden. Von unserem Redaktionsmitglied Karl-Georg Rötter