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Selma (Sara) Frank, geb. Frankenfelder

   
geboren am 01.01.1880 in Würzburg-Heidingsfeld
Straße  Goethestraße 11
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert, am 18. Mai 1944 nach Auschwitz und dort ermordet
   
Selma Frank war die Tochter des Metzgers Jeremias Frankenfelder (1846-1914) aus Heidingsfeld und seiner Frau Theresa geb. Bein (1850-1926) aus Unsleben. Vor Selma waren ihre Geschwister Rosa, verh. Freudenberger (Jg. 1872), Emil (Jg.1874), Ricka, verh. Strauss (Jg.1876) und Sofie, verh. Mayer (1877-1941) auf die Welt gekommen. Nach ihr wurden noch die Schwester Amalia (Jg.1883), die kurz nach der Geburt starb, und die Brüder Raphael (Jg.1884), Adolf (Jg.1886) und Alfred (Jg.1888).

Selmas Vater hatte 1887 eine Metzgerei in Würzburg gegründet, die sich an verschiedenen Standorten in der Augustinerstraße befand und er betrieb zeitweise eine Filiale in der Herzogenstraße 2. Nach dem Tod des Vaters 1914 führte die Mutter mit dem Sohn Raphael die Metzgerei weiter. Während der ältere Bruder Emil in Würzburg eine Großschlachterei gründete, zogen die beiden jüngeren Brüder 1905 bzw. 1917 nach Frankfurt, wo sie eine Schuhwarengroßhandlung mit dem Namen Gebrüder Frankenfelder betrieben.
Selma schloss 1899 erfolgreich eine Ausbildung als Krankenschwester im jüdischen Schwesternverein ab und arbeitete anschließend im Königswarter Hospital. Ihre Tätigkeit in Frankfurt beendete sie, als sie 1905 Adolf Frank aus Gestorf heiratete. Mit ihm zog sie zurück nach Würzburg, wo sich ihr Mann, anfangs Geschäftsführer und Buchhalter, mit einem Warenagenturgeschäft für Getreide selbständig machte. Das Ehepaar hatte keine Kinder.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, an dem ihr Mann 1914-1916 bis zu seiner Verwundung als Gefreiter teilnahm, meldete sich Selma Frank freiwillig bei der jüdischen Schwesternschaft in Frankfurt, um in der Verwundetenpflege zu helfen. Auch alle Brüder Selmas kämpften an der Front.

Zusammen mit ihrem Mann, ihren älteren Geschwistern Rosa und Emil sowie dessen Frau Sophie wurde sie am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Selmas Mann starb schon ein halbes Jahr später an den unsäglichen Lebensbedingungen. Die beiden 64 und 70 Jahre alten Schwestern wurden im Oktober 1944 nach Auschwitz gebracht und dort vermutlich kurz nach ihrem Eintreffen ermordet. Das gleiche Schicksal hatten ihr Bruder und seine Frau im Mai 1944 erlitten.
Selmas Bruder Raphael war mit seiner Frau Laura bereits im November 1941 mit der ersten Würzburger Deportation nach Riga verschleppt worden, wo beide ermordet wurden.
Die Geschwister Sophie und Adolf waren bereits Anfang der 40er Jahre gestorben. Von ihrem Bruder Alfred ist überliefert, dass er nach dem Krieg ein Entschädigungsverfahren betrieben hat. Wo und wie er überlebt hat, ist nicht bekannt. Über das Schicksal ihrer Schwester Ricka konnte nichts in Erfahrung gebracht werden.

Biographie erstellt April 2007 , überarbeitet Oktober 2017
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 155;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de868620 (19.05.2016);
http://www.juedische-pflegegeschichte.de/beitraege/biographien/die-pflegenden/juedische-krankenpflege-frankfurt-wuerzburg/;
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Emil Frankenfelder und seine Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de (15.10.2017); https://books.google.de/books?id=ffDb0gWj8SoC&pg=PA320&lpg=PA320&dq=Alfred+Frankenfelder++Frankfurt&source=bl&ots=4eiF8oUo-g&sig=ZqOUIbfmApsM6VOWk2Qi20vAQv0&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiGivCzx7TWAhWDHxoKHTVBAncQ6AEIKzAB#v=onepage&q=Alfred%20Frankenfelder%20%20Frankfurt&f=false (15.10.2017);
Autorin / Autor Andreas Roser, Ingrid Sontag
Paten
   
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