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Sofie Löwenstein, geb. Schindler

 
geboren am 29.09.1906 in Würzburg
Straße  Juliuspromenade 17 1/2
Stadtteil Altstadt
Todesdatumunbekannt
Todesortunbekannt
   
im Jahr 1942 deportiert; vorheriger Aufenthaltsort, Deportationsziel und Ort der Ermordung sind nicht bekannt
   
Sofies Eltern waren Paul (Pinkas) Schindler aus Brzesko/Galizien (1878-1927) und Jeanette Lewinsohn (1880-1939) aus Euerbach in Unterfranken. Der Vater war 1901 von Nürnberg nach Würzburg gezogen und arbeitete als Weinreisender für verschiedene Firmen. Es bestanden enge Beziehungen zu Verwandten des Vaters nach Cottbus, die auch im Weinhandel tätig waren. 1902 hatten die Eltern geheiratet und lebten unter häufig wechselnden Adressen, bis sie ab 1918 eine Wohnung in der Juliuspromenade 17 ½ bezogen.

1903 kam der älteste Bruder Philipp (1903-1924) auf die Welt, der in jungen Jahren in Berlin starb. Der zweite Bruder Max (Jg.1904) ging später nach Nürnberg. Vor Sofie war auch noch die Schwester Erna (Jg.1905) geboren worden, die später Manfred Strauss heiratete. Sofies jüngere Brüder waren Alfred (Jg.1908) und Robert (Jg.1909). Als Pflegekind lebte später noch Heinrich Schindler (Jg.1917) bei der Familie, vermutlich ein entfernter Verwandter.

Sofie heiratete 1929 Theo (David) Löwenstein (Jg.1906) aus Friedberg, der als Handelsvertreter für Eisenwaren tätig war. Im Jahr darauf kam ihr Sohn Horst zur Welt. Das Ehepaar ließ sich 1935 scheiden und Sophie lebte wieder bei ihrer Familie in Würzburg. Sie arbeitete als Hausangestellte und fand im September 1938 eine Anstellung im Israelitischen Kranken- und Pfründnerhaus in der Dürerstraße, wo sie dann auch gemeldet war.

Nachdem sie im Juni 1939 einen Pass für sich und ihren Sohn für die Ausreise nach Brüssel beantragt hatte, reiste sie illegal dorthin. In den Akten findet sich ein von ihr dort ausgefüllter Fragebogen zum Passantrag, in dem sie als Ausreisetag den 14. Juli und für den 22.9.39 eine Anschrift in Brüssel angibt und als Grund für ihre Ausreise einträgt „Juden unerwünscht“. Die Gestapo vermerkt, dass keine Bedenken gegen die Ausstellung eines Passes bestanden hätten und der Pass in Würzburg vorläge.

Vermutlich von ihrem Zufluchtsort aus wurde sie 1942 mit unbekanntem Ziel deportiert und ist umgekommen. Sofies Mutter starb im August 1939. Ihr Sohn Horst war zusammen mit Heinrich Schindler seit April 1939 in der Wolfhartsgasse 11 gemeldet bei Hermann Strauß, einem Bruder von Sofies Schwager Manfred. Mit Datum 1.7.1939 ist der Umzug der beiden Jungen nach Brüssel vermerkt. Vermutlich hat Sofie die beiden nach Brüssel mitgenommen. Horst war später in den Lagern Noe und Drancy interniert und wurde von dort am 4. September 1942 nach Auschwitz deportiert, wo sich seine Spur verliert.

Über das Schicksal von Sofies Geschwistern ist nur bekannt, dass sie die deutsche Staatsangehörigkeit nicht besaßen und von Ausweisung nach Polen bedroht waren, wenn sie sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Der Bruder Alfred, 1926 nach Klingenthal verzogen, wurde 1943 von Drancy nach Majdanek deportiert und dort ermordet. Ihr Großvater Shimon (Jg. 1850) und viele Angehörige aus der Schindlerschen Verwandtschaft wurden Opfer der Shoa.

Biografie erstellt Juni 2007, überarbeitet März 2017.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 356; T. 2, S. 510 f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/919965 (02.06.2016);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1902-1942, Grundlisten Juliuspromenade 17 ½ und Wolfhartsgasse 11, Einwohnermeldekarten für Paul (Pinkas) Schindler;
Memorial de la Shoa, http://bdi.memorialdelashoah.org/internet/jsp/core/MmsRedirector.jsp?id=36486&type=VICTIM (17.11.2016);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Sofie Löwenstein und ihren Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/ (1.11.2016);
Yad Vashem, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaust Opfer, Gedenkblatt Yad Vashem für Shimon Shindler, http://yvng.yadvashem.org/index.html?language=de&s_lastName=Shindler&s_firstName=Shimon&s_place= (17.11.2016).
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten
   
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