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Fanny Wachenheimer, geb. Gärtner

   
geboren am 01.06.1874 in Unsleben/Ufr.
Straße  Weingartenstraße 4
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum14.04.1943
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 14.04.1943 ermordet
   
Fanny Wachenheimers Eltern waren der Getreidehändler Abraham Gärtner (1832-1908) aus Unsleben in der Rhön und seine Frau Babette geb. Silbermann (1834-1898). Fanny war das sechste von acht Kindern des Ehepaars: Der älteste Sohn war Meier (Max) (1863-1911), dann kamen Jeanette (1866-1928), David (1868-1937), Jette (1870-1923) und Bertha (1872-1873) vor Fanny auf die Welt. Nach ihr wurden noch die Geschwister Moses (1876-1944) und Helene (1878-1942) geboren.

Während ihre ältere Schwester Jette im Jahr 1892 die Ehefrau von Moses Wachenheimer (1862-1915) wurde, heiratete Fanny den Saly (Sally, Salomon) Wachenheimer (1869-1926) aus Schmieheim, der bald nach seinem Bruder 1894 aus Marburg kam und in Würzburg ansässig wurde. Zunächst hatte Fannys Mann als Angestellter in der Weinhandlung seines Bruders gearbeitet und wurde bald darauf sein Teilhaber. Er führte nach dessen Tod das Geschäft weiter und erlangte 1917 das Bürgerrecht.

Im Haus der Wachenheimers in der Weingartenstrasse 4 befand sich auch die Firma. Die ersten beiden Kinder von Fanny und Saly waren bei oder bald nach der Geburt 1903 und 1905 gestorben. 1909 kam dann die Tochter Käthe zur Welt, die zusammen mit ihren älteren Vettern Julius (1892-1955) und Theodor Ernst (1894-1973) und der Cousine Paula (1904-1983) aufwuchs. Käthe heiratete 1934 den Weinhändler Karl Handburger und wohnte zusammen mit ihm und ihrem Sohn Peter (Jg. 1937) bei der Mutter, die seit 1926 verwitwet war. Käthes Mann Saly starb 1926 in Leipzig.

Bereits im November 1939 mussten Fanny und ihre Familie ihr Haus verlassen, in ein sog. „Judenhaus“ in der Hindenburgstraße 34 umziehen und von dort später in das Jüdische Altersheim Konradstraße 3. Dort erhielten ihre Tochter Käthe mit ihrem Mann Karl und dem Sohn Peter im November 1941 den Befehl zur „Umsiedlung nach Osten“. Es war die erste Deportation von Würzburgern und hatte den Jungfernhof bei Riga zum Ziel.

Fanny Wachheimer wurde dann einige Monate später, am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Zu diesem Zeitpunkt dürften ihr Enkel Peter, ihre Tochter und ihr Schwiegersohn schon ermordet worden sein. Sie selbst starb am 14. April 1943 infolge der unsäglichen Lebensbedingungen. Eine Gedenkseite für sie in Yad Vashem wurde von Klaus Gaertner, einem Enkel ihres Onkels Michael Gärtner angelegt, der auch einen Stammbaum der Familie erarbeitet hat.
Die Kinder ihrer Schwester Jette, Julius (später Jules Walker), Ernst (Ernest) und Paula verh. Neuland, konnten zwischen 1936 und 1940 rechtzeitig in die USA emigrieren.
Einige von Fannys Geschwistern sind vor der Zeit des Nationalsozialismus gestorben: Bertha in Unsleben, Max in Neustadt, Jette in Würzburg, Jeanette verh. Süsser in Karlstadt und David in Schweinfurt. Ihr Bruder Moses kam kurz vor ihr in Theresienstadt an und ist im Mai 1944 noch nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden. Ihr Schwester Helene verh. Wortsmann (Wortzmann) konnte sich und zwei Töchter in den USA in Sicherheit bringen, starb aber bald darauf in New York.
Biographie erstellt Juni 2007, überarbeitet September 2017
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 238, 647;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/984664 (26.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=869559&ind=3 (26.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09. – 24.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-24.jpg (22.06.2016);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Fanny Wachenheimer und ihren Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/;
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Staatsarchiv Würzburg, Jüdisches Standesregister Unsleben, Bd. 139,140;
Informationen von Elisabeth Böhrer, Schweinfurt, (Stammbaum der Familie Klaus/Chaim Gaertner, erhalten Riccardo Gaertner), (2.9.2017);
Stadtarchiv Würzburg, Grundliste Weingartenstraße 4, Einwohnermeldebogen Sally Wachenheimer;
FamilySearch, Suche nach emigrierten Angehörigen der Familie, https://familysearch.org/.
Autorin / Autor Andreas Roser, Ingrid Sontag
Paten
   
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