zurück

Julius Gross

   
geboren am 01.10.1878 in Troppau/Mähren
Straße  Ziegelaustraße 7
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortRaum Lublin
   
am 25.04.1942 nach Krasnystaw deportiert und im Raum Lublin ermordet
   
Julius Gross war der Sohn von Leopold Gross und seiner Ehefrau Rosa, geb. Magen (1851-1913?), die in Troppau (Opava) lebten, wo Julius aufwuchs. Sein Vater war technischer Leiter eines Betriebs und Julius erlernte einen Beruf in der Branntweinbrache und wurde Destillateur. Genaueres über seine Familie und seinen Lebensweg in den ersten 30 Jahren ist nicht bekannt.

Im Januar 1908 zog er von Konitz in Westpreussen nach Würzburg, um hier die technische Leitung der Branntweinbrennerei und Likörfabrik M. Hanauer & Sohn zu übernehmen. Im August des gleichen Jahres hatte er in Berlin Rosa Caspari (1886-1937) geheiratet, die er in Konitz kennengelernt hatte. Sie war die Tochter des wohlhabenden Kaufmanns Gustav Caspari und seiner Frau Cäcilie, geb. Levin. Ihr Vater war in Zusammenhang mit einem spektakulären Kriminalfall in Konitz genannt, bei denen jüdische Bürger des Ritualmords beschuldigt bzw. beleidigt wurden. Ob diese antisemitische Pogrom-Stimmung zum Weggang von Julius Gross und zu seinem Umzug nach Würzburg geführt hat, kann man nur vermuten.

Dass es auch in Würzburg antisemitisches Gedankengut in Behörden gab, ist dem Eintrag in seinem Einwohnermeldebogen zu entnehmen, wo in der Spalte Staatsangehörigkeit der Begriff „Hotzenplotz“ eingetragen ist.

Im August 1910 kam der erste Sohn Walter (1910-1941) zur Welt, im Mai 1912 wurde Rudolf geboren (1912-1992). Die angestrebte Einbürgerung scheiterte 1912, dennoch kehrte Julius Gross nach seinem Kriegsdienst in der österreichischen Armee nach Würzburg zurück. In der Grundliste der Ziegelaustraße sind Besuche seines Schwiegervaters 1916, von einem Privatier Sigmund Gross 1917 und einem Soldaten Leo Gross 1918 vermerkt. In welchem Verwandtschaftsverhältnis diese zu Julius Gross standen, ist nicht zu ermitteln
Beide Söhne waren nach Schul- und Berufsausbildung politisch aktiv in Organisationen der Arbeiterbewegung und Gegner des Nationalsozialistischen Regimes. Dies führte sehr bald zu Überwachungsmaßnahmen und Verfolgung der gesamten Familie. 1933 wurde Julius Gross nach einer Hausdurchsuchung im KZ Dachau inhaftiert und erst ein Jahr später entlassen. Der Sohn Walter floh 1935 in die Tschechoslowakei. Rudolf wurde im April 1937 verhaftet und im Oktober 1937 von einem Sondergericht in Bamberg verurteilt. Er konnte sich allerdings im November 1937 in die Tschechoslowakei absetzen.

Bereits vor dieser Zeit war bei Rosa Gross eine bis heute unheilbare erbliche Erkrankung zum Ausbruch gekommen, die dazu führte dass ihr Mann und ihre Schwester Meta Zamosch, wohnhaft in Berlin, sie in die Psychiatrische Klinik in Lohr brachten, wo sich ihr Zustand kontinuierlich verschlechterte. Im Februar 1937 verstarb sie dort und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Laudenbach beerdigt.

Julius heiratet bald nach dem Tod seiner ersten Frau Berta Ottensoser (1893-1942?), die eine Pension für auswärtige jüdische Schüler führte. Mit dem Verlust ihrer beider beruflichen Existenz von 1938/39 war das Ehepaar gezwungen, seine Wohnung zu verlassen. Sie mussten in den Röntgenring 5, später in sog. Judenhäuser in der Hindenburgstraße 36 und der Bibrastraße 17 ziehen. Julius Gross wurde zur Zwangsarbeit herangezogen.

Am 25.4.1942 wurde Julius Gross mit seiner Ehefrau Berta nach Krasnystaw deportiert, wo sie vermutlich bald darauf in den Vernichtungslagern im Raum Lublin umkamen.
Der Sohn Walter war nach seiner Flucht im Mai 1939 in Glogau in Haft. Im Sommer 1940 war er für zwei Monate ins KZ Dachau gekommen. Von dort wurde er ins KZ Mauthausen verlegt, wo er im September 1941 im Außenlager Gusen ermordet wurde. Dem Sohn Rudolf war es gelungen, sich 1938 über Hamburg in den USA in Sicherheit zu bringen. Er leistete Kriegsdienst in der US-Armee, lebte in Baltimore und starb 1992.

Biographie erstellt März 2009, überarbeitet November 2018
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 206 ff.;
Krankenakte von Rosa Gross, Bezirkskrankenhaus Lohr, Psychiatrische Klinik;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de879383 (27.05.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg - Krasniczyn, Abfahrtsdatum: 25.04.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT420425-Wuerzburg44.jpg (07.01.2017);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Julius Gross und seine Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/, (28.12.2017);
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1908-1941, Grundliste Ziegelaustraße 7, Einwohnermeldebogen Julius Gross, Walter und Rudolf Gross;
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
The 1939 German "Minority Census" Database, https://www.census.tracingthepast.org;
Friedhofsverzeichnis von Troppau, http://www.chewra.com/download/docs/214-jmen.pdf;
Genealogische Informationen bei geni.com, https://www.geni.com.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten
   
zurück