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Friedrich Leopold Krieger

   
geboren am 08.03.1889 in Mainz
Straße  Zwinger 28
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortin/bei Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort vermutlich kurze Zeit nach der Ankunft ermordet

Die Adresse gibt es nicht mehr. Der Stein wird dort verlegt, wo sich laut einem historischen Stadtplan das Haus befunden hat.
   
Friedrich Krieger besuchte die Volksschule in seinem Geburtsort Mainz und absolvierte dort wohl im elterlichen Betrieb eine Lehre als Küfer. Zunächst arbeitete Friedrich auch im Familienunternehmen. Seine Eltern waren der Weinhändler Moses Krieger (1853-1930) aus Essenheim und dessen Ehefrau Friederike, geb. Ehrmann (1858-1921) aus Mainz, die 1882 geheiratet hatten. Friedrich Leopold war der mittlere unter den sieben Kindern des Ehepaares: Zuerst waren seine älteren Schwestern Alice Regine (Jg. 1884) verh. Bastansky und Sara Johanna verh. Harf (1885-1943) auf die Welt gekommen und dann der Bruder Bertram (Jg.1887). Seine drei jüngeren Brüder waren Wilhelm (Jg.1890), Herbert (Jg.1892) und Alfred (1894-1940).

Im November 1911 zog Friedrich Leopold nach Würzburg, war seitdem als Küfer und Kellermeister in der Weingroßhandlung Jonas Ansbacher in der Domerschulstraße tätig und wohnte unter wechselnden Adressen.

Im 1. Weltkrieg kämpfte Friedrich Krieger von 1915 bis 1918 als Musketier, und war anschließend bis 1920 in Kriegsgefangenschaft. Noch am 25. Januar 1935 erhielt er - im Namen des "Führers und Reichskanzlers" Adolf Hitler - das Ehrenkreuz für Frontkämpfer.

Im Jahr 1929 heiratete Friedrich Krieger in Clüsserath Klara Levy (Jg. 1900), die aus Leiwen in der Nähe von Trier stammte und bezog mit ihr im Zwinger 28 eine Wohnung. Im März 1931 kam der gemeinsame Sohn Manfred auf die Welt.

Friedrich Krieger verlor seine Arbeitsstelle, als die Firma, in der er seit 1911 beschäftigt war, zum Ende des Jahres 1938 aufgelöst wurde. Dass ihm der Inhaber ein sehr gutes Zeugnis ausstellte und beste Qualifikationen bescheinigte, half ihm wenig. Seit Jahresanfang 1939 bemühte sich Friedrich Krieger nach Großbritannien oder in die USA auszuwandern. So bewarb er sich im März 1939 bei einer Weinhandelsfirma in England um die Stelle eines Küfers - ohne Erfolg.
Obwohl Friedrich Krieger stark an Asthma litt, wurde er 1939 zur Zwangsarbeit bei der Stadt Würzburg eingeteilt, allerdings aufgrund eines ärztlichen Attestes bereits nach zwei Wochen wieder freigestellt. Vorher hatten die Eheleute noch versucht, ihren Sohn Manfred in Sicherheit zu bringen und ihn im Februar 1939 auf einen Kindertransport nach Brüssel zu schicken. Vergeblich: Nach der deutschen Besetzung kam der Sohn Ende 1940 wieder zu ihnen nach Würzburg zurück. Sie hatten inzwischen ihre Wohnung verlassen müssen und waren in der Bibrastraße 6 untergebracht.

Seiner Gestapo-Akte zufolge besaß Friedrich Krieger am 27. November 1941 ein Sparbuch mit 484.- RM Einlage, eine Lebensversicherung und etwas Hausrat. Alles wurde zugunsten des Deutschen Reichs konfisziert, nachdem er am selben Tag mit seiner Familie in der ersten von Würzburg ausgehenden Deportation nach Riga verbracht und dort wohl wenig später ermordet wurde. Wie seine Frau und sein Sohn gilt er als "verschollen" in Riga.

Seine Schwester Sara mit Mann und Tochter, sein Bruder Bertram mit Frau und sein Bruder Herbert mit Frau und zwei Kindern wurden Opfer der Shoa in Sobibor, Auschwitz, Treblinka und im Ghetto Piaski. Sein Bruder Alfred war bereits vor den Deportationen verstorben und über das Schicksal der Geschwister Wilhelm und Alice ist nichts bekannt.

Biographie erstellt März 2009, überarbeitet März 2017
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 5130, 5133, 5132;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 319;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/905467 (02.06.2016);
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1911-1941, Grundliste Zwinger 28, Einwohnermeldebogen;
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg3.jpg (02.06.2016);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Friedrich Krieger und seine Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/;
Auskunft von Ramona Weisenberger, Stadtarchiv Mainz vom 21.3.2017.
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Ingrid Sontag
Paten
   
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