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Babette Sichel

   
geboren am 16.04.1880 in Mittelsinn
Straße  Tröltschstraße 1
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortin/bei Riga Jungfernhof
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert vermutlich dort oder in der Nähe bald darauf ermordet
   
Babette Sichel war die Tochter des Kaufmanns Samuel Sichel (1846-1906) aus Gemünden und Anna Sichel, geb. Schwab (1853-1934) aus Heidingsfeld. Die Familie lebte nach der Heirat der Eltern 1879 zunächst in Gemünden, wo Babette zur Welt kam. Nach dem Tod des Vaters zogen Mutter und Tochter 1908 nach Würzburg. Babette lebte im Haushalt ihrer wohlhabenden Mutter zunächst in der Benediktstraße, dann in den 1920er Jahren am Sanderring 4 und ab 1934 in der Tröltschstraße 1, nach dem Tod der Mutter dann allein dort.

Babette Sichel bemühte sich um die Emigration. Geschwister ihrer Eltern waren schon in jungen Jahren in die USA ausgewandert. So lebte ihr Onkel mütterlicherseits in Philadelphia, wo er die Firma Nathan Schwab&Sons gegründet hatte. Zwischen Sommer und Anfang November 1941 gibt es einen zunehmend hektischen Austausch von Telegrammen mit den Angehörigen in Philadelphia, die sich in der Gestapoakte finden, um Visum, Bürgschaft und Schiffspassage – zuletzt für eine Einreise in Kuba- noch rechtzeitig zu erhalten. Alle Bemühungen scheiterten und die Zusendung einer Wartelistennummer am 24.11.1941 durch das amerikanische Konsulat half nicht weiter.

Babette Sichel erhielt an ihre letzte Adresse Domerschulstraße 25 den Bescheid, dass sie sich zur „Evakuierung“ einfinden muss. Diese erste Deportation, die von Würzburg aus startete, verließ die Stadt am 27. November 1941. Auf der Liste ist Babette Sichel mit der Nummer 377 verzeichnet. Sie wurde nach Riga-Jungfernhof verschleppt und dort oder in der Nähe vermutlich bald darauf ermordet.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 143.67;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 552;
Adressbücher der Stadt Würzburg 1909-1941;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/960953 (23.06.2016);
Familysearch, Suche nach Passagierlisten der Einreise und Censusmeldungen von Geschwistern von Anna Schwab und Salomon Sichel, (31.10.2015);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg9.jpg (22.06.2016).
Autorin / Autor GG, Ingrid Sontag
Paten
   
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