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Ferdinand Marx

   
geboren am 02.11.1867 in Thalheim b.Heilbronn
Straße  Schustergasse 2
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum02.02.1943
Todesdatum05.02.1943
TodesortAuschwitz
   
Ausreise nach Holland im Januar 1940, ab Anfang Oktober 1942 in Westerbork interniert, am 2.2.1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet
   
Ferdinand Marx wurde in Talheim bei Heilbronn geboren. Seine Eltern waren der Viehhändler Leopold Marx (1826-1900) und Sophie geb. Hanauer (1869-1937). Dort war sein Vater zeitweise auch für das israelitische Kirchenvorsteheramt tätig gewesen.
Ferdinand Marx hatte ca. 1895 Marianne (Merina) Freudenberger (1873-1943) aus Unterleinach geheiratet und lebte mit ihr in Heilbronn, wo er Besitzer einer Dampfmolkerei gewesen war. Dort kamen auch die beiden Töchter Lilly 1897 und Grete im Jahr 1900 zur Welt.
1922 wurde die Familie in Würzburg ansässig. Zuerst wohnten sie einige Jahre in der Heinestraße 6, dann ab etwa 1926 in der Eichhornstraße 10 und zogen im März 1934 in die Schustergasse 2. Die Weingroßhandlung, die Ferdinand Marx im Herbst 1938 aufgeben musste, betrieb er in der Ludwigstraße 11.
Ursprünglich wollte sich das Ehepaar für den Lebensabend im Jüdischen Altersheim einkaufen. Nach dem Novemberpogrom 1938, bei dem auch ihr Schwiegersohn verhaftet wurde, entschlossen sie sich auch auf Drängen seiner älteren Tochter zur Emigration. So beantragten er und seine Frau im November 1938 einen Reisepass um zu Lilly, verh. Duveen, auszureisen, die mittlerweile nicht mehr in Berlin, sondern in Den Haag lebte.
Weil er von seinem Geld 7000.- RM nach Holland transferierte, wurde Ferdinand Marx wegen Devisenvergehens von Februar bis Mai 1939 inhaftiert. Das entsprechende Strafverfahren endete damit, dass ein mehrfacher Betrag als Geldstrafe verhängt wurde und Ferdinand Marx damit sein Vermögen verlor. Der Strafrahmen für solche Taten sah zu dieser Zeit bis zu 10 Jahre Zuchthaus sowie Geldstrafen vor bis zur Höhe des Zehnfachen der entsprechenden Geldsumme. Auch gegen seine Tochter Lilly und den Schwiegersohn wurde als sog. Mittäter ermittelt und Beschlagnahmungen auf ihrem Konto in Berlin vorgenommen.
Nach seiner Freilassung musste sich Ferdinand Marx noch gegen den Vorwurf zur Wehr setzen, er hätte eine goldene Uhr zu spät abgegeben und damit ein weiteres Vergehen begangen. Nur seine Argumentation, dass er zur Zeit der Wirksamkeit der neuen Verordnung gegen Juden im Gefängnis gesessen habe, somit von der Ablieferungspflicht für jüdischen Schmuck nichts wissen konnte und seine Uhr ohnehin im Gewahrsam der Behörden gewesen sei, wurde schließlich als glaubhaft akzeptiert. Sie führte aber nicht zur Rückgabe seiner einzigen Uhr. Zu dieser Zeit wohnte das Ehepaar Marx am Röntgenring 5.

Eine Notiz in der Gestapoakte stellt fest, dass das Ehepaar Marx am 29.1.1940 von ihrem letzten Wohnort in der Domstraße aus zur Tochter ausgereist sei.
Weitere Dokumente in der Akte beinhalten einen Schriftwechsel zwischen Polizeidirektion bzw. Gestapo in Würzburg und dem Reichssicherheitshauptamt in Berlin wegen eines Antrags des Ehepaars Marx in der deutschen Botschaft in Den Haag auf Verlängerung ihrer Reisepässe. Sie werden von den Behörden als „Volksschädlinge“ bezeichnet, denen man ohnehin die deutsche Staatsangehörigkeit aberkennen werde. Sollte jedoch die Gefahr bestehen, dass die niederländischen Stellen die Antragssteller wegen fehlender gültiger Papiere nach Deutschland abschiebe, solle man die Pässe lieber um 6 Monate verlängern. Nachdem geklärt worden war, dass das Ehepaar keine Steuerschulden hatte und kein Vermögen mehr im Inland besaß, wurden die Pässe dann im März 1941 verlängert. Das Aberkennungsverfahren in Sachen Staatsbürgerschaft wurde im Mai 1941 eingeleitet.

In Den Haag wohnten Ferdinand und Marianne Marx bei der Tochter Lilly (1897-1943) und dem Schwiegersohn Philipp Duveen (1890-1943) in der Juliana van Stolberglaan 405. Die Tochter Grete (1900-1976) war bereits im März 1939 mit ihrem Ehemann Ludwig Stein (1890-1974) über Holland in die USA ausgewandert. Sie hat in den Jahren 1958/59 ein Entschädigungsverfahren betrieben.
Ferdinand Marx und seine Frau wurden ab Anfang Oktober 1942 in Westerbork interniert und am 2. Februar 1943 zusammen der Tochter und Schwiegersohn nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Biographie erstellt im September 2010, überarbeitet Dezember 2017
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 7044;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 374, 579;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/926123 (21.06.2016);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Joodsmonument, Datenbank der Opfer der Shoa aus den Niederlanden, https://www.joodsmonument.nl/en/page/145028/ferdinand-marx (21.06.2016);
Nederlandse Rode Kruis, Judenratskarte Ferdinand Marx;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Ferdinand Marx und seine Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de (1.12.2017);
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1922-1941, Grundlisten Eichhornstraße 10, Schustergasse 2;
Alemannia Judaica Talheim, http://www.alemannia-judaica.de/talheim_synagoge.htm (1.12.2017).
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten
   
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