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Moses (Moritz) Wertheim

 
geboren am 29.01.1877 in Wehrda/Hessen
Straße  Schillerstraße 2
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortRaum Lublin
   
am 25.4.1942 nach Krasniczyn deportiert und im Raum Lublin ermordet
   
Moses Wertheim wurde als ältester Sohn von Rudolf Wertheim (1844-1927) aus Wehrda bei Marburg und Bertha, geb. Fernberger (1846-1924) aus Bibergau geboren. Die Eltern hatten in Kitzingen geheiratet, wo Moses zusammen mit seinen Brüdern Julius Jakob (1879-1942), Oskar (1885-1925) und Salomon (Jg.1888) aufwuchs. Die Schwester Selma (Jg.1897) war als Säugling gestorben. Der Vater betrieb ein Mehl- und Landesproduktengeschäft.
Moses besuchte die Volksschule in Kitzingen und absolvierte ab 1891 in Würzburg in der Weinhandlung seines Onkels Jakob Fernberger eine Lehre, bei der er 1908 Teilhaber wurde. Im selben Jahr heiratete er Emma Nürnberger und 1909 wurde der Sohn Ludwig (Louis) geboren.
Nach Ausscheiden seines Onkels machte er sich 1914 mit einer eigenen Firma "Moses Wertheim & Co." selbständig. Es gab Geschäftsbeziehungen zu französischen Firmen und vielen Kunden in den USA. 1917/18 nahm er am Ersten Weltkrieg teil.
Moritz Wertheim war Mitglied der Gesellschaft Casino, eines jüdischen Geselligkeitsvereins der gehobenen Schichten, der Tanzabende, Konzerte und Bälle sowie wöchentliche Clubabende veranstaltete.
Am 10.11.1938 wurde er in "Schutzhaft" genommen und am 17.11.1938 wieder entlassen. In seiner Akte findet sich folgende Notiz: „Es wurde ihm erklärt, dass er sein Geschäft aufzulösen hat. Ferner, dass er mit seinem Schwager Dr. Julius Nürnberger, mit dem er in Erbengemeinschaft in Nürnberg ein Baugelände hat, in Verbindung tritt, um dieses zu verkaufen.“ Moritz Wertheim war mittlerweile schwer herzkrank geworden. Dies hatte den Amtsarzt nicht daran gehindert, ihn für haftfähig zu halten, die Weinhandlung musste Anfang 1939 sein Bruder Salomon auflösen, den er 1934 ins Geschäft und die Wohnung aufgenommen hatte. Die Bemühungen um die Erlaubnis, zu seinem Sohn Ludwig nach Bordeaux zu emigrieren, waren erfolglos. Davor hatte man ihm noch 18.800.-RM an sog. Reichsfluchtsteuer abgenommen. Im November 1939 wurde er denunziert. Unter dem Datum vom 14.11.1939 findet sich in seiner Gestapo-Akte folgender Vermerk: "Beschlagnahme von 3 Würsten. Wertheim hatte die Würste an das offene Kellerfenster gehängt. Hierüber hat sich die in der Nähe der Schillerstraße wohnhafte Bevölkerung aufgeregt. Wegen seines provozierenden Verhaltens wurde Wertheim verwarnt. Eine strafbare Handlung konnte nicht nachgewiesen werden."
Seit April 1941 wohnte das Ehepaar Wertheim in der Hindenburgstraße 36 und wurde mit Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmen von Schreibmaschine und von 12 Dessertgabeln, einer Geldstrafe wegen sogenannter Devisenvergehen, der Herabsetzung des verfügbaren Freibetrags für den Lebensunterhalt drangsaliert. Ihre letzte Adresse ist dann im Dezember 1941 die Dürerstraße 20.
Am 25.4.1942 wurden Moses Wertheim, seine Ehefrau und sein Bruder Salomon nach Krasniczyn deportiert und dort bzw. im Raum Lublin vermutlich kurze Zeit später ermordet wurde.
Sohn Ludwig, seit 1931 mit Unterbrechungen in Bordeaux lebend, wurde im Lager Gurs interniert und überlebte.
Der Bruder Julius Jakob war nach Hamburg verzogen und kam im Ghetto von Minsk 1942 ums Leben.
Biographie erstellt September 2010, überarbeitet Mai 2016.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo-Akte 17157;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S.668, 669;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de990739 (28.4.2016);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
M. Schneeberger, Gedenkbuch Kitzingen, YISKOR, Zum Gedenken an die in der Schoah ermordeten Kitzinger Juden, unter Mitarbeit von C. Reuter und E. Schwinger, S.349-353, Kitzingen 2011;
Foto: Gestapoakte Staatsarchiv.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten
   
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