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Mayer Szaje Wohl

   
geboren am 05.05.1878 in Rohatyn/Galizien
Straße  Rosengasse 1
Stadtteil Altstadt
Todesdatumunbekannt
Todesortunbekannt
   
Juli 1939 Flucht nach Belgien, vermutlich interniert in Mechelen, wohin er deportiert wurde, ist nicht bekannt, Todesdatum und Todesort sind nicht bekannt
   
Mayer Szaje Wohl wurde in Rohatyn/Galizien (heute Ukraine) geboren, woher auch seine Eltern, der Eierhändler David Wuhl (Wohl) und Galda, geb. Meth, stammten. Im Jahre 1909 wurde die Ehe mit seiner fünf Jahre älteren Frau Rachel Dora, geb. Wachtel zivilrechtlich beurkundet. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Ehepaar bereits die vier Kinder Abraham David (Alfred) (1901-1997), Maria Esther (Else) (1903-1942), Herrsch Israel (Hermann) (1905-1942) und Aaron (Adolf) (Jg.1907). Im August 1910, einige Monate nach der Geburt des Sohnes Joseph (Jg.1910) siedelte sich die Familie in Würzburg an. Hier kamen noch zwei weitere Kinder Rosa (Shoshana) (Jg.1912) und Leo(n) (1914-2003) auf die Welt. Dem Einwohnermeldebogen ist zu entnehmen, dass die älteren Kinder zunächst unter dem Namen Meth gemeldet waren, weil es Probleme mit der zivilrechtlichen Anerkennung der Ehe gab. Später wurde der Familienname dann offiziell in Wuhl bzw. Wohl geändert.
Mayer Wohl arbeitete als Eierhändler und sehr bald als Weinreisender für die Schweinfurter Firma Breitenbach. Die Familie war zunächst unter wechselnden Adressen gemeldet, zeitweise offensichtlich bei den Brüdern seiner Frau, Jakob und Joseph Wachtel, die bereits vor dem Ehepaar Wohl nach Würzburg gezogen waren.
Während des ersten Weltkrieges leistete Mayer Wohl bis 1918 seinen Wehrdienst in der österreichischen Armee ab. In dieser Zeit und danach wohnte die Familie für längere Zeit in der Domstraße 68, wo sich später auch der Sitz der Weinhandlung von Sohn Hermann befand.
Im Jahr 1933 wurde die Wohnung zunächst in die Kapuzinergasse 19, von dort kurz in die Domerschulstraße 9 und im Mai 1934 in die Rosengasse 1 verlegt, wo auch der Schwager Jakob Wachtel schon lange Zeit seine Weinhandlung betrieb. Mit dem Umzug seines Sohnes Hermann nach München 1934 stieg Mayer in die Leitung der Weinhandlung ein, die bis 1938 existierte. Sein Schwager Joseph Wachtel war Teilhaber der Weinhandlung gewesen und wohnte mit seiner Familie unter der gleichen Adresse.
Nachdem die deutsche Regierung 1938 beschlossen hatte, Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit auszuweisen, wurde Mayer Wohl mit vielen Leidensgenossen in das deutsch-polnische Niemandsland abgeschoben, konnte aber später nach Würzburg zurückkehren.
Im Juli 1939 emigrierte das Ehepaar, wie sehr viele aus Polen stammende jüdische Familien, nach Belgien. Von dort wurde Mayer Wohl mit unbekanntem Ziel deportiert. Nähere Umstände seines Leidensweges sind nicht bekannt. Dagegen weiß man, dass seine Ehefrau in Mechelen interniert war, im April 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde.
Der Sohn Adolf und die Tochter Rosa, verh. Weiser, waren rechtzeitig nach Palästina ausgewandert, Alfred und Leo gelang über Belgien die Flucht in die USA. Hermann, Joseph und Maria, verh. Haber, konnten sich nicht mehr in Sicherheit bringen. Sie wurden aus Frankreich deportiert und kamen in Auschwitz um.

Biographie erstellt September 2010, überarbeitet Juni 2018
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 228, 663, 674 f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/995673 (26.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=862963&ind=9 (26.06.2016);
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher Würzburg 1910-1939, Einwohnermeldebogen Mayer Wohl, Grundlisten Domstraße 68, Kapuzinerstraße 19, Rosengasse 1;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Mayer Wohl und seinen Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/ (1.6.2018);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Stadtarchiv München, Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden, 1933-1945 http://www.muenchen.de/rathaus/gedenkbuch/gedenkbuch.html (1.6.2018);
Mémorial de la Shoah, Datenbank der zentralen Gedenkstätte für die Shoah in Frankreich, http://bdi.memorialdelashoah.org/internet/jsp/core/MmsGlobalSearch.jsp (10.06.2018);
FamilySearch, Suche nach Leon Wohl, https://familysearch.org/search (10.06.2018).
Autorin / Autor gg, Ingrid Sontag
Paten
   
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