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Josef Wohl

   
geboren am 03.02.1910 in Rohatyn/Galizien
Straße  Rosengasse 1
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum18.01.1944
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
1938 Flucht über Mailand nach Nizza, vermutlich interniert in Drancy, deportiert am 18.01.1944 nach Auschwitz und dort ermordet
   
Josef Wohl wurde in Rohatyn/Galizien (heute Ukraine) geboren. Seine Eltern Mayer (Szaje) Wohl (Jg.1878) und Rachel Drezie (Dora), geb. Wachtel, (Jg.1873) stammten beide auch aus Rohatyn, wo auch seine älteren Geschwister auf die Welt kamen. Die Eltern zogen ein halbes Jahr nach Josefs Geburt im August 1910 mit ihren 5 Kindern nach Würzburg: Abraham (Alfred) (1901-1997), Maria Esther (Else) (1903-1942), Herrsch Israel (Hermann) (1905-1942), Aaron (Adolf) (Jg.1907) und Josef. Nachdem die Eltern nur nach religiösem Ritus geheiratet hatten, wurden der Vater und seine Kinder zunächst unter dem Namen der Großmutter Meth geführt, bevor dann der Name des Großvaters (Wuhl, Wohl) zum Familiennamen wurde. In Würzburg, wo auch schon Angehörige seiner Eltern lebten, kamen noch die beiden jüngeren Geschwister Rosa (Shoshana) (Jg.1912) und Leo(n) (1914-2003) auf die Welt.
Die Familie wechselte öfter die Wohnung, bevor sie sich ca. 1916 für längere Zeit in der Domstraße 68 niederließ. Der Vater war zunächst für eine Weingroßhandlung in Schweinfurt tätig, später in der Weinhandlung seines Sohnes Hermann, die zunächst unter der gleichen Adresse gemeldet war.
Josef besuchte hier u.a. die Oberrealschule und die Berufsschule. Nach einer kaufmännischen Berufsausbildung arbeitete er bei verschiedenen Firmen – zunächst in einem Schuhgeschäft, bevor er bis zu seinem Berufsverbot als Weinreisender für die Firma Kesselring tätig wurde Er war Mitglied des Fußballklubs Makkabi Deutschland.
Im Jahr 1936 heiratete er Chinka Widnicka (1909-2003), die in Szczuczyn geboren war und lange Zeit mit ihrer Familie in Chemnitz gelebt hatte. Mit seiner Frau wohnte er zunächst noch kurz bei den Eltern in der Rosengasse 1, bevor das Paar dann eine Wohnung in der Schillerstraße 19 bezog. Zusammen mit Chinka versuchte er 1938, sich der drohenden Verhaftung durch die Flucht nach Mailand und dann nach Nizza zu entziehen. Auch ein zwischenzeitlicher Dienst in der französischen Armee konnte nicht verhindern, dass Josef Wohl interniert und am 18. Januar 1944 von Drancy nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Seine Ehefrau ist in den Listen derselben Deportation erfasst. Von Auschwitz wurde sie weiter ins KZ Buchenwald und anschließend nach Bergen-Belsen verschleppt, wo sie im Mai 1945 befreit wurde. Von dort ging sie zurück nach Frankreich. Mit ihrem zweiten Ehemann Arthur Rosenmann aus Wien wanderte sie 1954 in die USA aus, wo sie 2003 verstarb.
Josephs Eltern und die Geschwister Maria und Hermann starben in Auschwitz. Den Geschwistern Alfred und Leon gelang von Belgien aus die Flucht in die USA, während Rosa und Adolf rechtzeitig nach Palästina auswandern konnten.

Biographie erstellt September 2010, überarbeitet Juni 2018
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 477, 675;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/995500 (26.06.2016);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=2027830&ind=6 (26.06.2016);
Mémorial de la Shoah, Datenbank der zentralen Gedenkstätte für die Shoah in Frankreich, http://bdi.memorialdelashoah.org/internet/jsp/core/MmsGlobalSearch.jsp (10.06.2018);
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher Würzburg 1910-1939, Einwohnermeldebogen Mayer Wohl, Grundlisten Domstraße 68, Kapuzinerstraße 19, Rosengasse 1;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Joseph Wohl und seinen Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/ (1.6.2018)
FamilySearch, Suche nach Leon Wohl, https://familysearch.org/search (10.06.2018).
Autorin / Autor gg, Ingrid Sontag
Paten
   
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