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Dr. Samuel (Semi, Semmy) Nathansen

 
geboren am 23.08.1880 in Halberstadt
Straße  Pleicherwall 2
Stadtteil Altstadt
Todesdatumunbekannt
Todesortunbekannt, vermutlich italienisches Samm
   
starb bei dem Versuch der Emigration nach Palästina vermutlich nach 1939 in einem italienischen Sammellager
   
Samuel Nathansen wurde am 23. August 1880 in Halberstadt (Sachsen-Anhalt) geboren. Er leistete seinen Militärdienst von 1902 bis 1903 in Nürnberg ab und arbeitete danach als Assistent am zahnärztlichen Institut der Universität Würzburg. Sein Studium beendete er bei Prof. Rudolf Virchow, der zu dieser Zeit an der Universität Würzburg lehrte.
Von 1905 bis 1916 führte er in Frankfurt am Main eine eigene Praxis. 1910 heiratete er Johanna Engel, die Tochter des Würzburger Textilkaufmanns Hermann Engel, mit der er vier Kinder hatte (Max, Bernhard, Fritz, Esther Fried). Während seines Dienstes im Ersten Weltkrieg war er als Zahnarzt in Landau und später als Lazarettarzt in Ansbach tätig.
Ab 1922 war Samuel Nathansen in Würzburg sesshaft und richtete dort seine Praxis ein. 1923 trat er der Deutschen Demokratischen Partei und dem Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bei. Als Nachfolger seines Schwagers Hermann Engel übernahm er den Vorsitz der orthodoxen jüdischen Gemeinde in Würzburg. Außerdem war er Vorsitzender des (Wahl-) Vereins zur Wahrnehmung und Förderung der religiösen Interessen der IKG Würzburg. Ab 1931 war Samuel Nathansen Mitglied der Kultusverwaltung sowie im Parlament des bayrischen Dachverbandes der Israelitischen Gemeinden (VBIG) vertreten.
Während des Novemberpogroms 1938 wurde er festgenommen und ins KZ Buchenwald deportiert, aus dem er am 13. Dezember desselben Jahres wieder entlassen wurde. Vermutlich plante er, im Juni bzw. Juli 1939 von Frankfurt am Main aus nach Palästina zu emigrieren. Seinen Kindern war die Auswanderung nach Palästina bereits geglückt.
Als seine Frau einen Tag vor der Abreise plötzlich verstarb, musste er seine Pläne verschieben. Offenbar versuchte Samuel Nathansen Ende des Jahres 1939, sich einem illegalen Flüchtlingstransport anzuschließen und geriet dabei in ein italienisches Sammellager, wo er unter ungeklärten Umständen ums Leben kam.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 8380;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 401f.;
Roland Flade, Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Mit einem Beitrag von Ursula Gehring-Münzel, 2. erw. Aufl., Würzburg 1996, S. 189-193, 197, 210f, 257;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/934725 (07.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=nathansen&s_firstName=samuel&s_place=&itemId=1711692&ind=17&winId=-1206984322280503479 (07.06.2016).
Autorin / Autor Stefanie Neumeister
Paten
   
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