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Hella (Helene) Hanauer, geb. Leiter

 
geboren am 01.02.1898 in München
Straße  Rennweger Ring 14
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortin/bei Riga-Jungfernhof
   
deportiert am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof, vermutlich dort oder in der Nähe ermordet im Winter 1941/42
   
Hella Hanauer war die Tochter des Münchner Fabrikanten für Zinn-Souvenirs Lazarus Leiter und seiner Frau Olga, geb. Wassermann. Sie erhielt eine gute Erziehung und heiratete im März 1928 Alfred Hanauer. Anlässlich dieser Gelegenheit wird auf der Heiratsurkunde vermerkt, dass sie keinen Beruf hatte. Im Februar 1929 kam der gemeinsame Sohn Hans Arno auf die Welt. Der Sohn schildert seine Mutter als schöne und kultivierte Frau. Als erfolgreicher Geschäftsmann ermöglichte Alfred Hanauer, der zusammen mit seinem Bruder Felix die Kurz-, Weiß- und Wollwarengroßhandlung Gebrüder Hanauer führte, seiner Familie einen gehobenen Lebensstil. Die Familie besaß ein Auto mit Chauffeur für geschäftliche und private Zwecke und eine anspruchsvoll möblierte Wohnung gegenüber dem Ringpark. Hella Hanauer kümmerte sich um ihren Sohn und um den Haushalt, bis sie und ihr Mann sich entschieden, Hans mit dem Kindertransport am 19. Juli 1939 nach England zu schicken. Eine Nichte in England hatte für ihn eine Gastfamilie gefunden.
Aus der komfortablen Wohnung am Rennwegerring musste die Familie im Sommer 1939 ausziehen. Danach lebten sie etwa zwei Jahre in der Hindenburgstraße 36, wo sie ein Zimmer untervermieteten, und in den letzten Monaten vor der Deportation hielten sie sich noch in der Martinstraße 11 und in der Faulenbergstraße (ohne Nummer) auf. Vor dem Auszug aus der Hindenburgstraße musste das Ehepaar eine Reihe seiner wertvollen Möbel verkaufen, die verbleibenden Möbel, die in der Vermögenserklärung kurz vor der Deportation aufgelistet werden mussten, zeigen, dass ihnen weiterhin ein normaler Wohnkomfort vergönnt war. Aus Platzgründen wurden lediglich einzelne Möbelstücke bei einer Spedition eingestellt.
Spätestens durch die Verhaftung ihres Mannes nach der Pogromnacht und die Arisierung der Firma im Februar 1939 war Hella Hanauer und ihrem Mann der Ernst ihrer Lage bewusst geworden. Sie bemühten sich um die eigene Ausreise in die USA und später nach Kuba. Die erforderlichen Bürgschaften für die USA erhielten sie im März und im Mai 1941. Die Ausreise scheiterte. Sie wurden am 27.11.1941 nach Riga deportiert, in das Außenlager Jungfernhof gebracht und vermutlich dort oder in der Nähe in den folgenden Wochen oder Monaten ermordet.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 234;
Familienüberlieferung (John und David Hanauer);
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 346;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/1008342, (27.05.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa victims’ Names, The Central database of Shoa Victims´ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=de&s_lastName=hanauer&s_firstName=helene&s_place=&itemId=1860793&ind=2&winId=8635788469281016907 (27.05.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg2.jpg (07.06.2016).

Fotos: Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names.
Autorin / Autor Rotraud Ries
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