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Siegmund Ruschkewitz

 
geboren am 06.02.1871 in Danzig
Straße  Schönbornstraße 3
Stadtteil Altstadt
Todesdatumunbekannt
TodesortFlüchtlingsschiff vor Heraklion, Kreta
   
emigriert und auf dem Flüchtlingsschiff nach Palästina an Typhus gestorben, vermutlich am 17.10.1940
Schönbornstraße 3 (Kaufhof)
   
Siegmund Ruschkewitz war seit 1898 in Würzburg ansässig und gründete noch im selben Jahr das Kaufhaus Ruschkewitz, das sich zunächst am Dominikanerplatz befand und später in der Schönbornstraße 3. Es entwickelte sich bald zu einem der erfolgreichsten Geschäfte seiner Branche in Unterfranken. 1898 heiratete er seine erste Ehefrau Johanna, geb. Lindemann. Gemeinsam hatten sie drei Söhne (Max 1899, Fritz 1901 und Ernst 1903), seine Frau verstarb jedoch nach der Geburt ihres dritten Kindes. Mina Metzger, mit der Siegmund Ruschkewitz 1905 seine zweite Ehe einging, bekam 1907 den vierten Sohn, Hans. 1914 feierten die Würzburger die 100-jährige Zugehörigkeit Frankens zu Bayern unter anderem mit einer Gartenschau. Siegmund Ruschkewitz fand Gefallen an dem Brünnlein von Arthur Schlegelmünig, das er schließlich kaufte und der Stadt zum Geschenk machte. Es steht heute noch im Glacis nahe dem Studentenhaus. Siegmund Ruschkewitz war Mitglied der Frankenloge und gehörte später, zusammen mit seiner Ehefrau, dem Jüdischen Kulturbund Würzburg an. Die Söhne waren Mitglieder des Rhönclubs sowie von Reiter-, Ruder- und Fußballvereinen. In der Firma Ruschkewitz wurden mehrmals - besonders Ende der zwanziger Jahre - Erweiterungen, Modernisierungen und eine Ausweitung des Sortiments vorgenommen Ursprünglich war das Sortiment auf Textil- und Haushaltswaren beschränkt, umfasste später aber auch Lebensmittel, Spielwaren und Schallplatten. 1931 eröffnete Ruschkewitz ein mit dem Wohlwert-Konzern verbundenes Einheitspreisgeschäft in der Eichhornstraße 5, um die Konkurrenz dieses neuen Typs von Billigpreismärkten abzuwehren. Dort arbeiteten 60 Angestellte in 15 Abteilungen. Das Hauptgeschäft hatte 1933 rund 130 Angestellte. Nach der NS-Machtergreifung war das Unternehmen massiven wirtschaftlichen Repressalien ausgesetzt - zunächst durch Belästigung und Bedrohung der Kunden, zum Beispiel durch fotografierende SA-Männer. Nach einer Erholungsphase in den Jahren 1933 und 1934 erfolgten im Frühjahr1935 erneut Eingriffe der Nationalsozialistische Handels-, Handwerks- und Gewerbeorganisation (NS-Hago). Dazu zählten unter anderem willkürliche Verkaufsverbote für verschiedene Warenkategorien und Einkaufsverbote für Beamte, Partei- und Wehrmachtsangehörige. Im Sommer fand schließlich auf Anordnung der Partei die Kürzung und Rückrufung der für das Weihnachtsgeschäft üblichen Bankkredite statt. Siegmund Ruschkewitz resignierte und entschloss sich zum raschen Verkauf seines Unternehmens im November 1935. Der Käufer Joseph Neckermann handelte den Preis von 150.000 RM für die beiden Geschäfte stufenweise auf 45.000 RM herunter. Zusammen mit seiner Ehefrau zog Siegmund Ruschkewitz im Februar 1936 nach Berlin. Von dort aus versuchten sie nach Palästina zu emigrieren. Beide starben im Oktober bzw. November 1940 auf einem illegalen Flüchtlingsschiff, dem die Landung in Palästina verweigert wurde, an Typhus. Sie wurden in Heraklion (Kreta) beerdigt.
   
Quelle Rainer Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 494f.
Roland Flade, "Ruschkewitz - eine Würzburger Familie", Vortrag vom 12.11.2003, Universität Würzburg
Roland Flade, Ruschkewitz - eine Würzburger Familie, www.youtube.com (29.5.2011)
Roland Flade, Die Würzburger Juden, 2. Aufl. Würzburg 1996, S. 212, 221f, 234, 327, 369f.
Autorin / Autor Marianne Erben
Paten
   
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