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Josef Stahl

 
geboren am 23.03.1910 in Würzburg
Straße  Wiesenweg  27
Stadtteil Heidingsfeld
Deportationsdatum10.12.1940
Todesdatum10.12.1940
TodesortGrafeneck
   
ledig,katholisch, Pianist
10.12.-21.6. 1933 Psychiatrische Universitätsklinik Würzburg
22.06.1933 Privatirrenanstalt Herzoghöhe Bayreuth
30.07.1933 Heil- und Pflegeanstalt Werneck
05.10.1940 Heil- und Pflegeanstalt Lohr
13.11.1940 Heilanstalt Weinsberg
10.12.1940 Tötungsanstalt Grafeneck
   
Josef Stahl wird am 23.03.1910 als 3. Kind des Schneidermeisters Josef Stahl und seiner Frau Maria geboren. Seine Schwester stirbt, die beiden Brüder Artur Stahl, geb. am 11.09.1906, und Walter Stahl, geb. am 31.05.1913, überleben.
Josef entwickelt schon sehr früh eine Neigung zur Musik und bekommt mit sechs Jahren den ersten Unterricht. In der Oberrealschule, die er ab 1921 vier Jahre lang besucht, ist er ist ein mittelmäßiger Schüler. Ab 1922 studiert er am Staatskonservatorium Würzburg Klavier, 1926 bis 1929 Violine und 1924/25 noch Fagott, wobei er bei Schülerkonzerten auch als Solist auftritt. Kurzzeitig meldet er sich 1928 nach Bad Ragaz in der Schweiz ab. Hier tritt er vom 17.04. bis zum 31.10.1928 als Pianist auf. Arbeitgeber ist die Kurkapelle. Noch vor seiner Abschlussprüfung erleidet er einen Nervenzusammenbruch, von dem er sich nach drei bis vier Wochen wieder erholt. Wird er zuvor als beliebt, freundlich und leutselig beschrieben, so zeigt er sich danach als sehr ernst, aber auch sehr ehrgeizig.
Im Juli 1929 schließt er seine Ausbildung zum Pianisten ab und verlässt, nachdem seine Mutter am 04. Oktober gestorben ist, am 23. Oktober Würzburg, um vom Herbst 1929 bis zum Sommer 1932 an der Musikhochschule Berlin Klavier zu studieren. Während dieser Zeit soll er Konzerte in Frankfurt, Stuttgart, Nürnberg und Königswusterhausen gegeben haben, die nach Angabe der Familie teilweise sogar im Rundfunk übertragen wurden. Während seiner Studienzeit in Berlin leidet er unter akutem Geldmangel. Immer wieder erbittet er von der Direktion der Staatlichen Hochschule die Erlaubnis sich mit Kaffeehausmusik und Unterricht Geld verdienen zu dürfen, da sein Vater ihn nicht unterstützen könne. Dies wird ihm auch erlaubt. Sein Professor beschreibt ihn in einem Empfehlungsschreiben als "sehr tüchtigen Musiker, sehr bedürftig, körperlich schwach und nervös". Anfang 1932 erhält er das Beethoven-Stipendium der Stadt Berlin mit 500 Mark im Jahr und die Musikhochschule bewilligt ihm eine monatliche Beihilfe von 40 Mark.
Doch im September 1932 muss ihn der Vater nach beunruhigenden Telefonaten nach Hause holen. Josef entwickelt Wahnvorstellungen und seinem Vater bleibt nichts anderes übrig, als ihn am 10.12.1932 in die Psychiatrische Universitätsklinik Würzburg zu bringen.
Da sich sein Zustand nicht bessert, verlegt man ihn am 22.06.1933 in die Privatirrenanstalt Herzoghöhe in Bayreuth. Dort verschlechtert sich sein Gesundheitszustand weiter.
So wird er auf Grund eines Gutachtens des Bezirksarztes von Bayreuth, der die weitere Einweisung in die geschlossene Anstalt für nötig hält, am 30.07.1933 in die Heil- und Pflegeanstalt Werneck überführt. Auf dieses Gutachten stützt sich auch der Beschluss des Würzburger Stadtrates ihn wegen Gemeingefährlichkeit in Werneck einzuweisen. Eine Beschwerde des Vaters dagegen wird verworfen, da der Kranke sich und andere gefährde. Der Vater zieht 1933 nach Frankfurt um. In den folgenden Jahren fragt er immer wieder nach dem Ergehen seines Sohnes und möchte ihn besuchen. Ab 1935 kann er die Kosten nicht mehr übernehmen und der Landesfürsorgeverband Unterfranken kommt jetzt dafür auf.
Im Zuge der Auflösung der Heil- und Pflegeanstalt Werneck wird Josef Stahl am 05.10.1940 in die Heil- und Pflegeanstalt Lohr gebracht. Drei Tage später fragt der Vater mit einer letzten Karte in Werneck nach seinem Verbleib, da ein Päckchen zurückgekommen sei, und wird von dort nach Lohr verwiesen.
Von Lohr kommt Josef Stahl am 13.11.1940 mit einem Transport von etwa 100 Patienten in die Zwischenanstalt Weinsberg/Baden-Württemberg, aus der er am 10.12.1940 als "ungeheilt entlassen" in die Tötungsanstalt Grafeneck gebracht und vermutlich noch an diesem Tag ermordet wird. Mehr Informationen über den Musiker finden sich unter: http://www.hfm-wuerzburg.de/default/josef-stahl-stolperstein-erinnert-kuenftig-an-ehemaligen-musikstudenten
   
Quelle Archiv des Bezirkskrankenhauses Lohr
Staatsarchiv Ludwigsburg F 235, Bü 830
Stadtarchiv Würzburg Meldebögen 1850-1920, Adressbücher
Jahresberichte des Staatskonservatoriums Würzburg
14ter und 15ter Jahres-Bericht über die Bayerische Kreis-Oberrealschule zu Würzburg
Einwohnermeldeamt Bad Ragaz
Autorin / Autor Inge Kaesemann
Paten
   
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