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Max Frankenthal

 
geboren am 01.12.1886 in Schwanfeld
Straße  Schönleinstraße 6
Stadtteil Altstadt
Todesdatum13.04.1945
Todesortbei Uelzen im Raum Lüneburg
   
Am 09.10.1943 interniert im Sammellager Westerbork (NL), von dort am 15.03.1944 nach Bergen-Belsen und am 10.04.1945 mit dem Ziel Theresienstadt weiter deportiert. Unweit von Uelzen im Raum Lüneburg, am km-Stein 115,4, erlag Max Frankenthal am 13.04.1945 den unmenschlichen Lebensbedingungen und wurde in einem Massengrab entlang der Bahngleise beigesetzt.
   
Max kam am 1. Dezember 1886 als Sohn von Josef Frankenthal und Clothilde, geborene Veilchenblau, in Schwanfeld zur Welt. Er hatte sechs Brüder und eine Schwester.
Von 1908-1910 leistete er seinen Militärdienst in Metz/Lothringen und kämpfte ab 1914 für Deutschland im Ersten Weltkrieg. Dabei wurde er 1915 verwundet.
Noch vor Kriegsbeginn war Max Frankenthal im Jahr 1913 von Schwanfeld nach Würzburg gezogen. Dort gründete er zusammen mit seinem Bruder Gustav (Jg. 1888) die Weinhandlung Gebrüder Frankenthal. Seit den 1920er Jahren leitete er das Geschäft gemeinsam mit seinem 12 Jahre jüngeren Bruder Moritz nachdem Gustav die Firma verlassen hatte.
Das Haus in der Schönleinstrasse 8 in Würzburg diente der Familie als Geschäfts- und Wohnhaus. Dort lebten seit den 1920er Jahren die Eltern Josef und Clothilde bis zu ihrem Tod 1934. Auch der Bruder Karl wohnte von 1916 bis 1920 und von 1932 bis 1934 in diesem Haus. Die Schwester Nanni Mendle lebte nach ihrer Scheidung von 1929 bis 1935 ebenfalls bei ihren Eltern in der Schönleinstraße 8. Die Weingroßhandlung befand sich im Rückgebäude des Anwesens. Max Frankenthal bewohnte mit seiner Familie das Haus in der Schönleinstraße 6, das nach 1930 ebenfalls in seinen Besitz kam.
Zudem hatte er eigene Weinberge und unterhielt Geschäftsbeziehungen nach Holland und Belgien. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Weinhandlung und Hausbesitz „arisiert“ – spätestens seit Juli 1942 ist das Deutsche Reich als alleiniger Besitzer im Grundbuch eingetragen.
Am 2. September 1938 emigrierte Max Frankenthal mit seiner Ehefrau Klara (Jg. 1899), den Söhnen Hans (Jg. 1930) und Werner (Jg.1923) und seinem Bruder Moritz nach Holland. Dort lebten sie zunächst in Den Haag, dann ab 1943 in Amsterdam - vermutlich im dortigen Ghetto. Holländische Freunde und Geschäftspartner halfen der Familie und unterstützten sie auch finanziell.
Ab dem 9. Oktober 1943 wurde Max Frankenthal zusammen mit seiner Ehefrau Klara, den Brüdern Moritz und Eugen sowie seinem Sohn Hans im Sammel- und Durchgangslager Westerbork interniert. Sein Sohn Werner ist auf keiner Transportliste der Gestapo vermerkt und emigrierte vermutlich von Holland aus rechtzeitig in die USA, wo er später unter dem Namen Warren Franklin lebte.
In Westerbork riss man die Familie Frankenthal einige Monate später erneut auseinander: Max Bruder Moritz Frankenthal wurde ebenso wie Max Ehefrau Klara am 25. Januar 1944 nach Auschwitz deportiert. Max Frankenthal selbst blieb mit seinem Sohn Hans und seinem anderen Bruder Eugen im Lager Westerbork zurück. Moritz Frankenthal wurde am 31. Mai 1944 in Auschwitz ermordet.
Max Ehefrau Klara Frankenthal überlebte nach Auschwitz noch weitere Konzentrationslager. Im Zuge der vorrückenden sowjetischen Armee, der systematischen Auflösung des Konzentrationslagers Auschwitz und der Todesmärsche nach Westen, kam Klara Frankenthal am 18. Januar 1945 in Ravensbrück an. Von dort aus brachte man sie Ende Februar 1945 ins Konzentrationslager Malchow. Am 3. Mai 1945 wurde Klara Frankenthal in Neustadt / Gleve befreit und wanderte nach einigen Jahren in Holland 1948 in die USA aus.
Max Frankenthal hingegen wurde zusammen mit seinem Bruder Eugen und seinem Sohn Hans am 15. März 1944 in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert. Eugen erlag im Januar 1945 in Bergen-Belsen den unmenschlichen Lebensbedingungen vor Ort.
Max und Hans Frankenthal sollten am 10. April 1945 mit 2.500 anderen Häftlingen mit einem der letzten Transportzüge von Bergen-Belsen nach Theresienstadt deportiert werden. Diese „lost transport“ genannte, qualvolle Irrfahrt durch das zum Teil noch unbesetzte Deutschland endete am 23. April 1945 unweit von Tröbitz (Brandenburg). Als sowjetische Truppen auf diesen Zug stießen, befreiten sie völlig ausgehungerte, entkräftete und kranke Häftlinge.
200 Menschen erlagen auf diesem „lost transport“ den unmenschlichen Lebensbedingungen: einer davon war Max Frankenthal. Er starb bereits am 13. April 1945 bei Uelzen im Raum Lüneburg und wurde vermutlich in einem Massengrab entlang der Bahngleise beigesetzt.
Sein damals 14-jähriger Sohn Hans überlebte den Transport, kehrte in die Niederlande zurück und wanderte 1948 zusammen mit seiner Mutter in die USA aus. Dort nahm er den Namen John Franklin an.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Vermögenskontrollakten Nr. 3374;
Würzburger Wohnungsbuch 1930, S. 270;
Digitales Archiv ITS Bad Arolsen, Teilbestand 1.2.1.1., Dokument ID: 11195242; Teilbestand 1.2.4.2., Dokument ID:12721092; Teilbestand 1.1.46.7. Dokument ID: 5155849; Teilbestand 1.1.3.1, Dokument ID: 3394944;
Holocaust Oral History Project, National Museum of Washington, Accession No. 1999.A.0122.817 RG No. RG-50.477*0817; Accession No. 1999.A.0122.291 RG-50.447*0291;
Gemeinde-Troebitz.de / Verlorener Transport („lost transport“): http://www.gemeinde-troebitz.de/texte/seite.php?id=36472 (30.04.2014);
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1 , S. 167;
Sybille Steinbacher, Auschwitz. Geschichte und Nachgeschichte, München 2007, S. 97-100;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de868016 (19.05.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblätter, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=frankenthal&s_firstName=max&s_place=&itemId=2029368&ind=13&winId=1121701459846670161 und Yad Vashem (19.05.2016);
Joodsmonument, Datenbank der Opfer der Shoa aus den Niederlanden https://www.joodsmonument.nl/en/page/180007/max-frankenthal (19.05.2016).

Foto: Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, page of testimony.
Autorin / Autor Petra Blasius
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