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Ferdinand Max Selig

 
geboren am 08.12.1930 in Würzburg
Straße  Crevennastraße 11
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
TodesortRiga-Jungfernhof oder in der Nähe
   
Am 27.11.1941 über Nürnberg nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort oder in der Nähe im Winter 1941/42 ermordet.
   
Ferdinand Max war das älteste Kind von Alfred Selig und Irma, geb. Bing. Er hatte einen drei Jahre jüngeren Bruder. Die Familie lebte in Würzburg, wo der Vater als Weingroßhändler tätig war. Unter dem Druck der NS-Politik musste er seine Handlung aufgeben und sich mühsam mit Hilfsarbeiten über Wasser halten.

Ferdinands Schulzeit war wie die anderer jüdischer Kinder geprägt von den NS-Restriktionen im Bildungswesen. Er dürfte die jüdische Volks- und Berufsschule besucht haben, als eines von den 1937 noch in Würzburg lebenden 146 Schulkindern. Freizeitaktivitäten beschränkten sich wohl auf den Kontakt zu anderen jüdischen Kindern wie z.B. den Brüdern Schwabacher, mit denen zusammen Ferdinand und sein Bruder Friedrich mit hoher Wahrscheinlichkeit 1939 fotografiert wurde.

Während des Novemberpogroms hielt sich Ferdinand mit seiner Familie in Fürth auf. So wurde er wohl mit seiner Mutter und seinem Bruder nachts gewaltsam aus dem Bett geholt und auf einen Platz in Fürth getrieben, sein Vater verhaftet und ins KZ Dachau verschleppt – ein traumatisches Ereignis für jedes Kind. Als der Vater nach vier Wochen frei kam, kehrte die Familie nach Würzburg zurück. Die Schule nahm Anfang 1939 ihren Betrieb wieder auf, nunmehr nur noch mit 82 Schülern, darunter inzwischen wohl auch sein jüngerer Bruder.

Zu dieser Zeit mussten Ferdinand und seine Familie in das Sammelquartier für Juden in der Bibrastr. 6 umziehen, wo sie nur noch ein Zimmer zur Verfügung hatten. Der Vorteil war, dass sich die Schule im gleichen Gebäude befand und sie auf dem Weg dorthin die Straße nicht betreten mussten, wo selbst Kinder immer wieder angepöbelt und angegriffen wurden. Ferdinand litt unter nervösen Störungen oder war ernsthaft erkrankt. Denn Ende Dezember 1938 beantragte sein Vater einen kurzbefristeten Pass für sich und seinen kranken Sohn zur Behandlung in der Schweizerischen Anstalt für Epileptische Behandlung. Dem wurde letztlich nicht stattgegeben.

Gleichzeitig unternahm die Familie Anstrengungen, in die USA auszuwandern, was bis Anfang 1941 nachzuweisen ist. Das für die Auswanderung notwendige Gesundheitszeugnis bescheinigte Ferdinand zwar eine „nervöse Übererregbarkeit“, ansonsten jedoch, dass er „körperlich und geistig gesund“ sei. Die Auswanderung glückte der Familie nicht mehr.

Kurz vor seinem 12. Geburtstag erhielt auch Ferdinand die Aufforderung zur Deportation. Am 26. November 1941 musste er sich mit seiner Familie in der Stadthalle Würzburg einfinden, um in der Nacht darauf bei Dunkelheit zum Güterbahnhof Aumühle zu laufen, von dort nach Nürnberg und am 29.November weiter ins Durchgangslager Riga-Jungfernhof transportiert zu werden. Nach drei Tagen kam der Zug am 02. Dezember dort an.

Wie sein Vater und sein Bruder ist Ferdinand im Winter 1941/42 auf dem Jungfernhof oder in seiner Nähe an Hunger, Kälte oder Krankheiten gestorben oder ein Opfer von Erschießungen geworden. Nur von seiner Mutter weiß man, dass sie noch bis zum 26. März lebte und ein Opfer der letzten Massenerschießungen der sog. „Aktion Dünamünde“ wurde.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo 14 170;
Stadtarchiv Fürth, Adressbücher 1901-1935 (mit Lücken, da nicht mehr vorhanden);
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 545;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/959738 (23.06.2016);
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Auskunft von Thomas Rey, Deutsches Riga-Komitee, vom 23.8.2014;
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg4.jpg (07.06.2016).

Foto: John Schwabacher
Autorin / Autor Elke Wagner
Paten
   
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