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Max Frank

 
geboren am 26.02.1908 in Heidingsfeld
Straße  Wenzelstraße 9
Stadtteil Heidingsfeld
Deportationsdatum16.09.1940
Todesdatum20.09.1940
TodesortHartheim
   
Vater: Abraham Frank, Landwirt und Viehhändler in Heidingsfeld, Wenzelstraße 9 Mutter: Berta, geb. Kirchheimer aus Berwangen/Baden Geschwister: Frieda Cohen, Hilde Frank, Ruth Aal und Ludwig Frank Oberrealschüler; Kaufmann 21.10.1937 Psychiatrische Universitätsklinik Würzburg 21.3.1938 Lohr 16.9.1940 Eglfing Haar 20.9.1940 Hartheim 29.12.1954 Antrag von Frau Berta Frank, New York, auf Entschädigung wegen "Schadens am Leben nach ihrem im Januar 1941 umgekommenen Sohnes Max Frank"
   
Max Frank wurde am 26. Februar 1908 in Würzburg-Heidingsfeld geboren. Sein Vater Abraham Frank war Landwirt und Viehändler in Heidingsfeld, Wenzelstraße 9, seine Mutter Berta, geb. Kirchheimer kam aus Berwangen in Baden. Er hatte drei Schwestern: Frieda Cohen, Hilde Frank und Ruth Aal, und einen Bruder, Ludwig Frank. Sein Vater starb 1939 in Heidingsfeld, die Mutter und die vier Geschwister überlebten in der Emigration. Die drei Geschwister seines Vaters dagegen, Hanna, Meier und Ricka, verheiratete Goldschmidt, wurden in der Shoa ermordet, ebenso wie vier seiner Cousins und Cousinen.
Max Frank besucht die Oberrealschule in Würzburg und wird Kaufmann. Von Juli 1927 bis August 1929 hält er sich im Stuttgarter Raum auf, ist danach aber wieder in Heidingsfeld ansässig. Am 21. Oktober 1937 wird er in die Psychiatrische Universitätsklinik Würzburg aufgenommen und von dort am 21.3.1938 nach Lohr überwiesen. Dort erhält er rituelle Verpflegung. Der Landesfürsorgeverband übernimmt ab Dezember 1937 die Kosten zusammen mit den Eltern, da er ohne Vermögen ist. Am 21.11.1938 schickt seine Schwester Friedel Frank zwei Formulare nach Lohr, die Max Frank unterschreiben soll. Nach dem Gesetz vom Juli 1938 wurden für Juden Kennkarten eingeführt, in die ein rotes „J“ eingestempelt war und die stets mitzuführen und im Verkehr mit Behörden unaufgefordert vorzuzeigen waren. Im August 1938 wurde zusätzlich die Führung der Zwangsvornamen „Israel“ und „Sara“ vorgeschrieben. Zu diesem Zweck werden von einem Arzt die fünf verlangten Passfotos angefertigt. Es gelingt jedoch nicht, Max Frank zu einer Unterschriftsleistung zu bewegen.
Am 11. Januar 1939 stirbt sein Vater Abraham. Das Amtsgericht Würzburg fragt an, ob Max Frank seine Vermögensangelegenheiten selbst erledigen kann, oder ob er einen Pfleger benötigt. Die Klinik antwortet, dass eine Verständigung mit Max Frank in der Nachlasssache nicht möglich ist. Seine Mutter bittet, ihm vorerst nichts vom Tod des Vaters zu sagen, da sie negative Auswirkungen auf seinen Gesundheitszustand befürchtet. Ab Januar 1939 trägt nicht mehr der Landesfürsorgeverband, sondern die Zentrale jüdische Wohlfahrtspflege die Kosten für Max Frank, die von der Klinik in Lohr mit 2.70 RM pro Tag angegeben werden.
Als Pfleger für Max Frank wird sein Onkel Meier Israel Frank in Würzburg, Neubaustraße 34, zur Vertretung in der Nachlassache bestellt. In dieser Eigenschaft wird diesem am 16. September 1940 von der Klinik in Lohr mitgeteilt, dass auf Anordnung des Reichsministeriums des Innern und des bayer. Staatsministeriums des Innern sämtliche jüdische Geisteskranke in einer Anstalt unterzubringen sind: „Die Kranken, darunter Ihr Pflegling Frank, Max Israel, wurden demzufolge am 16. ds. nach der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar bei München überführt.“ Damit ist das Todesurteil über Max Frank gesprochen.
Der Zentralstelle für jüdische Wohlfahrtspflege Würzburg, Domerschulgasse 19, wird noch mitgeteilt: „Über die im September noch angefallenen Verpflegungskosten einschließlich der Überführungskosten folgt in den nächsten Tagen Abrechnung.“
Am 20. September 1940 werden die in Eglfing-Haar kurz zuvor gesammelten jüdischen Patienten aus ganz Bayern gemeinsam in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz in Oberösterreich deportiert und dort noch am gleichen Tag in der Gaskammer ermordet. Max Frank wurde 32 Jahre alt.
Am 29. Dezember 1948 meldete Frau Berta Frank, New York, beim Zentralanmeldeamt Bad Nauheim über ihren Rechtsanwalt Rückerstattungsansprüche für die ihrer Familie entzogenen landwirtschaftlichen Grundstücke, Häuser, Schmuck und andere Wertgegenstände, sowie das angeblich in Hamburg verloren gegangene, neu angeschaffte Umzugsgut an. Am 29. Dezember 1954 bittet das Bayerische Landesentschädigungsamt die Nervenheilanstalt Lohr um kurzfristige Überlassung der dortigen Vorgänge im Zusammenhang mit Max Frank, da Frau Berta Frank Antrag auf Entschädigung wegen "Schadens am Leben nach ihrem …Sohn Max Frank" gestellt und darin angegeben hat, „daß der Sohn infolge der nationalsozialistischen Gewaltmaßnahmen … in die Nervenheilanstalt Lohr/Main eingeliefert wurde.“ Die Anstalt Lohr antwortet, dass die Krankenakten auf den Transport nach Eglfing-Haar mitgegeben wurden, und nicht mehr zurückkamen.
Am 8. August 1951 erkundigt sich das Amtsgericht Würzburg bei der Direktion der Heil- und Pflegeanstalt Lohr nach Max Frank, da seine Mutter von New York aus über ihre Würzburger Anwälte beantragt hat, ihren Sohn "zwangsverschickt 1941 nach Colm Kreis Lublin als verschollen für tot zu erklären". Cholm oder Chelm war eine fiktive Anstalt, die bei allen jüdischen Euthanasieopfern aus Bayern als Todesort angegeben wurde, um bei den Angehörigen die Behauptung aufrechtzuerhalten, die Kranken seien in eine Heilanstalt "im Osten" gebracht worden. Das Todesdatum war vorausdatiert, um noch für mehrere Monate Pflegegelder kassieren zu können.
   
Quelle Archiv des Bezirkskrankenhauses Lohr;
BA Berlin;
Stadtarchiv Würzburg Meldebogen Abraham Frank;
pers. Mitteilung Robert Schult, Heidingsfeld;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 161;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de868471 (19.05.2016).
Autorin / Autor Kristin Höhn
Paten
   
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