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Regina Ullmann

 
geboren am 10.01.1886 in Würzburg
Straße  Sieboldstraße 3 1/2
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum22.10.1940
Todesdatum10.08.1942
TodesortAuschwitz
   
am 22.10.1940 von Karlsruhe nach Gurs (Frankreich) deportiert; nach knapp zwei Jahren am 05.08.1942 von dort nach Drancy und am 10.08.1942 weiter nach Auschwitz verschleppt und dort vermutlich sofort ermordet
   
Regina Ullmann wurde am 10. Januar 1886 als Tochter des Kaufmanns und Schuhwarenhändlers Moritz Ullmann (1843-1899) und seiner zweiten Ehefrau Klara geb. Ifri (1853-1936) in Würzburg geboren. Sie wuchs mit vier Geschwistern auf, den älteren Schwestern Hedwig (geb.1880) und Ida (1882—1940) sowie dem Bruder Max (geb.1884). Ihre jüngere Schwester hieß Jenny (geb.1891).

Als Regina 13 Jahre alt war, verstarb ihr Vater. Seit 1901 wohnte die Familie in der Sophienstraße 14. Regina besuchte eine Töchterschule, wurde Vertreterin und lebte unverheiratet bei ihrer Mutter Klara, einer Privatiere.

Wenige Monate nach dem Tod ihrer Mutter zog Regina im Februar 1937 in die Sieboldstraße 3 ½. Dort wohnte sie als Untermieterin bei der jüdischen Privatiere Rosa Neuberger. Etwa zwei Jahre später, zum 1. März 1939, zog sie erneut um – in die Hindenburgstraße 29, eines der Würzburger „Judenhäuser“. Sie lebte dort als Untermieterin des Kaufmanns Anton Vorchheimer.

Im Februar des folgenden Jahres verstarb ihre Schwester Ida, die Berthold Diefenbronner (1877-1953), einen Kaufmann und zugleich Sekretär der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Karlsruhe geheiratet hatte. Die beiden hatten einen gemeinsamen Sohn Eric. Vermutlich um ihrem Schwager den Haushalt zu führen, zog Regina im März 1940 zu ihrem Schwager Berthold nach Karlsruhe. Er wohnte in der Karl-Friedrich-Str. 16, dem Gemeindehaus der orthodoxen Israelitischen Religionsgemeinschaft. Das Zentrum fungierte zu dieser Zeit auch als „Judenhaus“, d.h. dort wurden zwangsweise jüdische Bürger einquartiert.

Von dort wurde Regina zusammen mit ihrem Schwager am 22. Oktober 1940 wie weitere 6.500 Juden aus Baden, dem Saarland und der Pfalz in das südfranzösische Lager Gurs deportiert. Die Aktion war von langer Hand von den Gauleitern Wagner und Bürckel geplant worden und hatte die badischen Juden vollkommen überrascht.

Das Internierungslager Gurs war am Fuße der Pyrenäen für Flüchtlinge des spanischen Bürgerkrieges errichtet worden. Es genügte nicht einmal den primitivsten menschlichen Bedürfnissen und war durch die Aufnahme der Badener Juden hoffnungslos überfüllt. Da Männer und Frauen getrennt untergebracht wurden, dürfte Regina ihren Schwager seit der Ankunft nicht mehr gesehen haben.

Etwa zwei Jahre später, am 5. August 1942 wurde sie über das Durchgangslager Drancy nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich sofort ermordet.

Ihr Schwager Berthold Diefenbronner war bis zum 31. Mai 1943 im Lager Gurs interniert. Er überlebte den Holocaust und blieb nach dem Krieg in Frankreich, wo er am 12. Juli 1953 in Conat sur Haute Vienne verstarb.
   
Quelle Stadtarchiv Würzburg, Aufenthaltsanzeige Moritz Ullmanns vom 10.10.1899; Grundlisten SophienStraße 14 / Sieboldstraße 3 ½ / Hindenburgstraße 29;
Stadtarchiv Karlsruhe, Judenkennkarte von Regina Ullmann (am 21.3.1939 von der Polizeidirektion Würzburg ausgestellt); Auskünfte von Jürgen Schuhladen-Krämer vom 26.06.2015 und 07.07.2015;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 638 f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/983829 (26.06.2016);
Gedenkbuch für die Karlsruher Juden, http://gedenkbuch.informedia.de/index.php/PID/12/name/4477/seite/1/suche/U.html (26.06.2016);
Auschwitz-Archives, Auskunft von Krystyna Lesniak vom 17.7.2015;
Mémorial de la Shoah, Datenbank der zentralen Gedenkstätte für die Shoah in Frankreich, http://bdi.memorialdelashoah.org/internet/jsp/core/MmsRedirector.jsp?id=62534&type=VICTIM# (26.06.2016);
Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich, http://www.statistik-des-holocaust.de/FR401022-46.jpg (26.06.2016).

Foto: Stadtarchiv Karlsruhe, Judenkennkarte von Regina Ullmann (am 21.03.1939 von der Polizeidirektion Würzburg ausgestellt).
Autorin / Autor Manuel Huth
Paten
   
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