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Ludwig Stern

 
geboren am 15.11.1881 in Würzburg
Straße  Haugerring 7
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortin/bei Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und vermutlich dort oder in der Nähe 1942 ermordet
Haugerring 14, heute etwa Haugerring 7
   
Ludwig Stern war der zweitälteste Sohn unter den sieben Kindern des Nathan Stern (1854-1932) aus Creglingen und seiner Ehefrau Mina, geb. Straßburger (1857-1926) aus Hohebach/Württ. Seit ihrer Hochzeit1879 lebten die Eltern in würzburg. Ludwig besuchte die Volks- und Realschule und ging anschließend zwei Jahre nach Paris zur Weiterbildung im kaufmännischen Beruf. Mit 20 Jahren trat er ins elterliche Geschäft ein. Der Vater war Inhaber der Glas- und Holzmanufaktur Nathan Stern am Kranenkai 1.

Im Juni 1915 wurde Ludwig zum Kriegsdienst eingezogen und kam 1916 zur Munitionskolonne ins Feld. Für seinen Einsatz erhielt er noch 1934 „im Namen der Führers“ das Ehrenkreuz für Frontkämpfer. Sein Bruder Siegfried (1887-1922) leistete Kriegsdienst als Zahnarzt, sein Bruder Fritz (Jg. 1894) erlag im November 1917 in einem Lazarett in Mainz den Folgen einer Kriegsverletzung und ist in Würzburg beerdigt. Ludwigs älterer Bruder Hermann (Jg. 1880), Chemiker und Fabrikbesitzer in Berlin, starb vor Beginn der Naziherrschaft etwa 1930.

Nach dem Krieg arbeitete Ludwig Stern erneut im elterlichen Geschäft als Teilhaber zusammen mit seinem Vater und dem Bruder Albert (1885-1937). Der Vater schied Ende der 20er Jahre aus, Ludwig 1931 und lebte seitdem als Privatier. Er wohnte ebenso wie sein Vater bis 1933 in der Kaiserstraße 21, später mit dem Bruder Oskar (Jg. 1896) als Untermieter bei der Familie Münster am Haugerring 14.

Im Novemberpogrom 1938 wurde Ludwig verhaftet und nach Buchenwald gebracht. Umgehend setzte sich seine Schwester Thekla Steinam, geb. Stern (Jg. 1883) bei der Gestapo für ihn ein und begründete die Bitte um Entlassung mit seiner bevorstehenden Ausreise in die USA und mit seinen Aufgaben als Testamentsvollstrecker. Er war nämlich vom Amtsgericht als Testamentsvollstrecker für seinen 1936 in die USA ausgewanderten Neffen Hans (Henry) Stern (Jg. 1916), Sohn seines Bruders Albert, eingesetzt worden. Albert und seine Frau Selma, geb. Sittenheim, waren beide kurz nacheinander im Jahr 1937 gestorben. Auch Ludwigs eigene Ausreisebemühungen waren schon weit gediehen: Er konnte einen Bürgen in New York vorweisen und eine entsprechende Erklärung lag im Konsulat in Stuttgart vor. Am 6. Dezember 1938 entlassen, gelang ihm eine Emigration aber nicht mehr.

Im Oktober 1940 zogen die beiden Brüder Ludwig und der fast erblindete Oskar in die Martinsgasse 11, wo sie als Untermieter im Haushalt der Steinams Aufnahme fanden. Ludwig musste trotz Herzerkrankung als Hilfsarbeiter u.a. am Bau arbeiten, so dass sich sein Gesundheitszustand immer mehr verschlechterte. Als seine Schwester Thekla mit ihrem Mann aus ihrem Haus in der Martinsgasse vertrieben wurde, fanden Ludwig und Oskar noch kurz in der Wohlfahrtsgasse 11 Unterschlupf.

Am 27.11.1941 wurde Ludwig von der Dürerstraße 20 aus zusammen mit seinem Bruder Oskar nach Riga-Jungfernhof deportiert. Während Oskar nach Aussage eines Überlebenden im Frühjahr 1942 von dort in ein anderes Lager verschleppt wurde, soll Ludwig noch eine Weile auf dem Jungfernhof gelebt haben, bevor er den unsäglichen Lebensbedingungen erlag oder ermordet wurde. Schwester Thekla wurde 1944 in Auschwitz Opfer der Shoa. Die übrigen vier Geschwister lebten nicht mehr.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 15323; Wiedergutmachungsbehörde IV N 394;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher und Grundliste Haugerring 14, Martinstraße 11, 1930-1941;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 580f., 590, 595, 598, 600;
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg7.jpg (10.06.2016).

Foto: Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 15323.
Autorin / Autor Ingrid Sontag
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