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Renate Müller

   
geboren am 28.08.1930 in Würzburg
Straße  Innerer Graben 45
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
deportiert am 23.09.1942 nach Theresienstadt, Weitertransport am 06.10.1944 nach Auschwitz, dort wahrscheinlich wenig später ermordet
   
Am 28. August 1930 wurde Renate Müller als einzige Tochter des Anwalts Dr. jur. et rer. pol. Adolf Müller (1903-1935) und der Pharmazeutin Dr. Claire (Klara) Müller, geb. Less (1902-1944) in Würzburg geboren.
Nach der Hochzeit in Berlin (um 1929) hatten sich ihre Eltern in Würzburg niedergelassen und wohnten wahrscheinlich zunächst am Mittleren Dallenberg 19 im Elternhaus des Vaters zusammen mit dem Großvater, dem Weinhändler Max Müller. Renates Großmutter Selma Müller, geb. Silberschmidt war schon im Jahr 1927 verstorben.

1931 zog die junge Familie nach Altötting, denn der Vater erhielt dort seine erste Anstellung als Gerichtsassistent am Amtsgericht. Bereits nach kurzer Zeit folgte die Anstellung als Amtsanwalt am Amtsgericht Stadtamhof, einem Stadtteil von Regensburg, und wenig später (um 1932) als Amtsanwalt bei der Staatsanwaltschaft in Regensburg. Die Familie zog nach Regensburg in die Walderdorffstraße 11.

Ob Renates Mutter in ihrem Beruf als Pharmazeutin arbeitete, ist nicht bekannt und wohl eher unwahrscheinlich. Die berufliche Karriere des Vaters endete jäh im Zuge der Entlassung jüdischer Staatsbediensteter im April 1933. Im Alter von 29 Jahren wurde Adolf Müller zum 1. Mai 1933 aus dem Staatsdienst entlassen. Da war Renate noch keine drei Jahre alt.

Die Familie verlor ihre Existenzgrundlage und lebte notdürftig von einer Unterstützung durch ein sog. Übergangsgeld. Sie verließ schon am 24. April 1933 Regensburg und zog nach Würzburg zurück. Zweieinhalb Jahre später, am 11. Oktober 1935, verstarb Renates Vater Adolf Müller im Alter von nur 32 Jahren an den Folgen einer Lungenkrankheit in einer Klinik in Schömberg im Schwarzwald. Renate und ihre Mutter Claire befanden sich bald in einer hoffnungslosen Situation.

Im Frühjahr 1937 dürfte Renate in der jüdischen Volks- und Berufsschule eingeschult worden sein. Belege dafür gibt es nicht. Sie lebte um 1938/39 mit ihrer Mutter im Inneren Graben 45.

Im Jahr 1939 erkrankte Renates Mutter Claire schwer, musste sich einer Operation unterziehen und erlitt eine Lungenembolie, von deren Folgen sie sich nie wieder richtig erholte.

Wie andere Juden wurden die Müllers in dieser Zeit aus ihrer Wohnung vertrieben. Renate war etwa 10 Jahre alt, als sie und ihre Mutter in ein sog. „Judenhaus“ in der Friedenstraße 26 umziehen mussten. Seit April 1942 lebten sie in sehr beengten, ärmlichen Verhältnissen im jüdischen Kranken- und Pfründnerhaus in der Dürerstraße 20, wo die Mutter auch als Angestellte arbeitete.

Vor ihrer Deportation am 23. September 1942 nach Theresienstadt schloss Claire Müller für sich und ihre Tochter einen sog. „Heimeinkaufsvertrag H“, der ihnen gegen Zahlung ihres restlichen Besitzes die Versorgung in Theresienstadt versprach – eine große Farce, die allein der Beraubung der Deportierten diente.

Es ist anzunehmen, dass Renate im Lager bald getrennt von ihrer Mutter in einem der Gebäude für Kinder untergebracht wurde. Sie überlebte den unmenschlichen Lageralltag in Theresienstadt über zwei Jahre, bis sie zusammen mit ihrer Mutter am 6. Oktober 1944 weiter in das Todeslager Auschwitz transportiert und vermutlich wenig später ermordet wurde. Renate Müller wurde nur 14 Jahre alt.
   
Quelle StadtA Würzburg, Meldebögen, Adressbücher;
StA Würzburg, Gestapoakte 8125;
Stadt Regensburg, Amt für Archiv und Denkmalpflege, Meldebögen;
Stadtarchiv München, Korrespondenz;
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam, Rep. 36 A (II), Nr. 21921;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 397f.; T. 2, S. 561;
Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, Archiv, Korrespondenz;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/933228 (21.06.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/25835-renate-m-ller/ (21.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg - Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-16.jpg (21.06.2016).
Autorin / Autor Martina Buller
Paten
   
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