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Ilse Jeannette Vogel

 
geboren am 09.04.1913 in Aschaffenburg
Straße  Amalienstraße 3
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortRegion Lublin
   
am 23.04.1942 von Aschaffenburg nach Würzburg und am 25.04.1942 von dort nach Krasniczyn deportiert und im Sommer 1942 vermutlich in einem der Vernichtungslager der Region Lublin ermordet
   
Ilse Vogel wurde am 09. April 1913 als ältestes Kind des Ehepaares Hugo Vogel (Jg.1878) und seiner Frau Paula, geb. Stein (Jg.1891) in Aschaffenburg geboren. Sie hatte zwei jüngere Brüder: Heinz (Jg.1917) und Ernst (Jg.1919). Die Familie lebte in Aschaffenburg in der Erthalstraße 10 vom Handel mit Landprodukten, Mehl, Getreide und Kolonialwaren.

Nach dem Abitur an der Oberrealschule in Aschaffenburg im September 1932 wollte Ilse Vogel eigentlich Medizin studieren. Offensichtlich im Jüdischen Krankenhaus in Frankfurt a.M. kurz als Stud.med. tätig, konnte sie nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ihr Studium nicht fortsetzen oder überhaupt erst richtig beginnen. So entschloss sie sich, in Würzburg an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt ein Lehramtsstudium aufzunehmen. Am 1. November 1933 kam sie nach Würzburg, wohnte bis Januar 1934 zur Untermiete, um dann wieder bis zum April zurück zu ihren Eltern nach Aschaffenburg zu ziehen. Ab April 1934 lebte sie dann für zwei Jahre als studentische Untermieterin in der Sophienstr. 4 bei Julie Tachauer, der Witwe des Seminarlehrers Dr. Gustav Tachauer.

Nach ihrem Examen an der ILBA zog Ilse Vogel im April 1936 in die Amalienstraße 3, wo sie bis September 1938 als Untermieterin in der Wohnung von Moritz Bamberger lebte, bevor sie wiederum nach Aschaffenburg zu ihren Eltern zurückkehrte. Diese waren seit Anfang 1938 gezwungen worden, im Rahmen der „Arisierungsmaßnahmen“ der Nazibehörden ihre Grundstücke in Aschaffenburg zu verkaufen. Ein in Goldbach befindlicher Bauernhof, den Paula Vogel gemeinsam mit Vater und Bruder besaß, musste ebenfalls zu einem niedrigen Preis in andere Hände gegeben werden. Vermutlich wollte Ilse Vogel ihre Eltern besser unterstützen können, da ihr Bruder Ernst am 04. März 1937 nach Palästina ausgewandert und der andere Bruder Heinz nach München gezogen war, von wo er später offensichtlich nach Kanada emigrierte. Im März 1939 kam Ilse Vogel nochmals nach Würzburg zurück und lebte bis August 1939 in der Bibrastr. 17, dem Rabbinerhaus.

Seit 1936 hatte sie an der Jüdischen Volks-und Berufsschule in der Bibrastraße 6 unterrichtet. Hier entstand auch das Foto, das sie zusammen mit ihren Schülern im Jahre 1937 zeigt. 1939 unterschrieb Ilse Vogel als Lehrerin das Versetzungszeugnis in die 8. Klasse für Gertrud Schwab (Jg.1925), die ebenfalls ein Opfer der Nazis werden sollte und mit ihren Eltern 1941 nach Riga deportiert und ermordet wurde.

Im August 1939 kehrte sie endgültig nach Aschaffenburg zurück, wo sie mit ihren Eltern in der Elisentraße 12 lebte, ihrem ehemaligen Besitz, nun eines der „Judenhäuser“. Im Dezember 1939 hatte sie vor, zu ihrem Bruder Ernst nach Palästina zu ziehen. Doch weder dieses Vorhaben noch der vermutete Plan, nach England zu emigrieren, ließen sich realisieren. Stattdessen blieb sie bei den Eltern und musste erleben, wie der gesamte Familienbesitz bis 1940 verkauft wurde. Den Vogels blieb nichts mehr.

Zusammen mit ihren Eltern wurde Ilse Vogel am 23. April 1942 von Aschaffenburg nach Würzburg gebracht und von dort am 25. April 1942 mit dem dritten großen Transport der jüdischen Unterfranken nach Ostpolen deportiert. Drei Tage fuhr der Deportationszug bis nach Krasnystaw. Von dort mussten die Menschen ins ca. 15 km entfernte Krasniczyn laufen. Ilse Vogel wurde vermutlich wie die anderen Deportierten aus Unterfranken nach wenigen Wochen in einem der nahen Vernichtungslager Belzec oder Sobibor ermordet.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 13863 und 18876;
Akte Finanzamt Aschaffenburg, Veranlagungssteuer 147;
Stadt-und Stiftsarchiv Aschaffenburg, Meldebögen für Familie Vogel;
Jahresbücher Oberrealschule mit Handwerkerzeichenschule Aschaffenburg, Jahrgänge 1926 – 1932; Auskunft v. Stephanie Goethals vom 24.03.2015;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1934-1940 sowie Grundlisten der oben genannten Adressen;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 643;
Peter Körner, Biographisches Handbuch der Juden in Stadt-und Altkreis Aschaffenburg, Aschaffenburg 1993, S. 236;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de992806 (21.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1208091&ind=1 (21.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Nürnberg - Würzburg nach Krasniczyn, Abfahrtsdatum: 25.04.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT420425-Wuerzburg6.jpg (21.06.2016);
SSAA –Karteikarten der jüdischen Gemeinde, SBZ I Vogel_Stein002, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/test/web324w/showimg/showimg.php?files=../quellen/1055/Vogel_Stein002.jpg (21.06.2016).

Foto: Sammlung Roland Flade, Würzburg
Autorin / Autor Elke Wagner
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