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Elsa Goldschmidt

 
geboren am 15.02.1900 in Mönchsroth/Mfr.
Straße  Theresienstraße 6
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum00.00.1944
TodesortStutthof
   
am 27.11.1941 von Würzburg nach Riga-Jungfernhof und 1944 aus dem Raum Riga ins KZ Stutthof deportiert, dort oder auf einem der Todesmärsche ermordet
   
Elsa Goldschmidt war das zweite Kind des Sanitätsrats Dr. Joseph Goldschmidt (1865-1942) und seiner Frau Ricka, geb. Frank (1868-1943). Am 15.2.1900 wurde sie, wie ihre Geschwister, in Mönchsroth/Mfr. geboren, wo ihr Vater eine Arztpraxis führte.
Es ist nicht viel über Elsa, auch Else genannt, bekannt. Nach ihrer Schulzeit arbeitete sie als Sprechstundenhilfe in der Praxis ihres Vaters. Elsa war im gesellschaftlichen Leben der Gemeinde Mönchsroth integriert, bis sich langsam die judenfeindliche Stimmung so ausbreitete, dass sich die Familie 1933 entschloss, nach Würzburg zu ziehen. Dort lebte ein großer Teil der nahen Verwandtschaft der Mutter.
Während Elsa mit ihren Eltern ab August 1933 in der Theresienstr. 6 in Würzburg wohnte, zog ihre Schwester Frieda im Oktober 1933 in das Israelitische Alters- und Pfründnerheim, wo sie als Krankenschwester arbeitete. Wie ihre Mutter war sie Mitglied im Jüdischen Kulturbund. Elsa führte vermutlich ihren Eltern den Haushalt. In der Deportationsliste für Riga wird sie jedenfalls als „Hausfrau“ geführt. Auch ihr Bruder Max (1906-1942), der bis dahin in Neu-Ulm gelebt hatte, gehörte seit 1938 zum Haushalt. Ein Jahr später wurde die Familie zum Auszug gezwungen, ob sie weiterhin zusammen wohnen konnten, ist nicht festzustellen. Für 1941, als die Eltern ins Israelitische Altersheim ziehen mussten, finden sich Elsa und ihr Bruder gemeinsam in der Hindenburgstr. 21, einem sogenannten „Judenhaus“.
Nach gründlichen und erniedrigenden Kontrollen in der Schrannenhalle wurde Elsa am 27.11.1941 mit ihrem Bruder und 200 weiteren Würzburgern um 3.30 Uhr im Dunkeln zum Güterbahnhof an der Aumühle getrieben. Über einen Zwischenhalt in Nürnberg-Langwasser führte der Transport zwei Tage später ins Baltikum. Am 2.12.1941 kamen Elsa und Max in Riga-Jungfernhof an.
Elsa überstand die Qualen und Torturen auf dem Jungfernhof und in weiteren Lagern im Raum Riga. Vermutlich im Spätsommer oder Herbst 1944 wurde sie mit weiteren Überlebenden aus dem Baltikum ins KZ Stutthof bei Danzig gebracht. Die nun 44-jährige Elsa Goldschmidt fand dort oder auf einem der anschließenden Todesmärsche den Tod. Ihr Bruder Max war bereits zuvor im Raum Riga gestorben, die Eltern 1942 bzw. 1943 in Theresienstadt umgekommen. Etwa zeitgleich mit Elsa wurde ihre 46-jährige Schwester Frieda im Oktober 1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
   
Quelle Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1934-1942; Grundlisten Theresienstr. 6, Hindenburgstr. 14 und 21, 1934-1942, Auskunft A. Ullrich vom 21.02.2017;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 198;
Standesamt der Verwaltungsgemeinschaft Wilburgstetten, Geburtenregister Mönchsroth, Auskunft H. Frank vom 16.03.2017;
Evang.-Luth. Pfarrarchiv Mönchsroth, Informationen zur Familie Goldschmidt, Auskunft Pfr. G. Reese vom 22.02.2017 und 13.04.2017;
Bilder von Elsa Goldschmidt: Gemeinde Mönchsroth, Auskunft Fr. D. Dreschner vom 21.03.2017;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de876003 (17.01.2017); hier auch die Angaben zu weiteren Verwandten;
Statistik und Deportation jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Nürnberg – Würzburg nach Riga, Abfahrt: 29.11.1942 (Transportliste), http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg8.jpg, (17.01.17);
Alemannia Judaica Mönchsroth, http://alemannia-judaica.de/moenchsroth_synagoge.htm (17.01.2017);
Tracing the Past – 1939 German Minority Census, https://www.tracingthepast.org/index.php/en/minority-census/census-database (17.01.2017);

Bild: Gemeinde Mönchsroth, Gemeindearchiv
Autorin / Autor Elke Wagner
Paten Herr Hans Reiner Waldbröl
   
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