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Frieda Goldschmidt

 
geboren am 14.02.1898 in Mönchsroth/Mfr.
Straße  Dürerstraße 20
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum00.00.1944
TodesortAuschwitz
   
am 23. September 1942 nach Theresienstadt, von dort am 9. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich gleich nach der Ankunft ermordet
   
Frieda (Friedel) Goldschmidt wurde am 14.2.1898 als ältestes Kind des Sanitätsrats Dr. Joseph Goldschmidt (1865-1942) und seiner Frau Ricka, geb. Frank (1868-1943) in Mönchsroth bei Dinkelsbühl geboren. Dort führte ihr Vater eine Arztpraxis.
Über Friedas Leben ist nur wenig bekannt. Vermutlich war sie wie die gesamte Familie in das Leben des Ortes integriert. Ihr Bildporträt ist einer Photographie entnommen, die sie zusammen mit ihrer Schwester und anderen jungen Menschen bei einer Tanzveranstaltung im Jahr 1919 zeigt.
Nach ihrer Schulzeit hat Frieda Goldschmidt eine Ausbildung als Krankenschwester absolviert. In der Folgezeit ging sie nach Bad Nauheim, wo sie in der dortigen Israelitischen Kinderheilstätte (ab 1937 Jüdische Bezirksschule) in der Frankfurter Str. 103 lebte und arbeitete. Warum Frieda Goldschmidt am 15.8.1932 nach Mönchsroth zurückkehrte, ist nicht wirklich bekannt.
Bereits seit Anfang der 1930er Jahre wurde dort die Hetze gegen die jüdischen Mitglieder der Gemeinde immer unerträglicher und so war es nur verständlich, dass sich die Familie Goldschmidt 1933 entschloss, den Ort zu verlassen und in die Nähe von Verwandten nach Würzburg zu ziehen. Es waren alles Angehörige von Frieda Goldschmidts Mutter.
Seit August 1933 lebten die Eltern und ihre erwachsenen Kinder in Würzburg in der Theresienstraße 6. Frieda Goldschmidt fand ab Oktober 1933 Arbeit und Wohnung im Israelitischen Kranken- und Pfründnerhaus in der Dürerstraße 20. Im Jahr 1935 wurde sie Mitglied im Jüdischen Kulturbund Würzburg, der nun das kulturelle Leben in der jüdischen Gemeinde organisierte, nachdem die Nazis jüdischen Künstlern jegliche Tätigkeit im allgemeinen Raum verboten hatten.
Seit August 1941 lebten Friedas Eltern auf Druck der NS-Politik ebenfalls in der Dürerstraße. Im folgenden Jahr, am 23.9.1942, wurde Frieda Goldschmidt zusammen mit ihnen nach Theresienstadt deportiert. Es war ein Transport alter, kranker und siecher Menschen. Frieda Goldschmidt war 42 Jahre alt und als Krankenschwester wohl damit betraut, die Menschen zu betreuen. In diesem Transport befand sich auch ihre 71-jährige Tante Hanna, die Schwester ihrer Mutter. Sehr schnell nach der Ankunft in Theresienstadt starben ihr Vater (19.12.1942) und ihre Tante (25.12.1942); ihre Mutter lebte noch bis zum 19.11.1943. Hunger, Krankheit, Seuchen und Demütigungen waren der Alltag für die Menschen, denen durch den Abschluss eines „Heimeinkaufsvertrags“ vorgetäuscht worden war, dort einen friedlichen Lebensabend verbringen zu können.
Frieda Goldschmidt wurde am 9.10.1944 für einen Vernichtungstransport nach Auschwitz selektiert und dort nach der Ankunft wahrscheinlich sofort ermordet. Sie wurde 46 Jahre alt.
Ihre Geschwister Max und Elsa Goldschmidt waren im November 1941 mit dem ersten Transport aus Würzburg nach Riga-Jungfernhof deportiert worden. Max wurde im Raum Riga ermordet, Elsa starb 1944/45 im KZ Stutthof oder auf einem der Todesmärsche.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1. S 197;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1934-1942; Grundlisten Theresienstr. 6, Dürerstr. 20, 1934-1942, Auskunft A. Ullrich vom 21.02.2017;
Standesamt der Verwaltungsgemeinschaft Wilburgstetten, Geburtenregister Mönchsroth, Auskunft H. Frank vom 16.03.2017;
Evang.-Luth. Pfarrarchiv Mönchsroth, Informationen zur Familie Goldschmidt, Auskunft Pfr. G. Reese vom 22.02.2017 und 13.04.2017;
Bilder von Elsa und Frieda Goldschmidt: Gemeinde Mönchsroth, Auskunft Fr. D. Dreschner vom 21.03.2017;
Jüdische Pflegegeschichte/ Jewish Nursing History, Biographien und Institutionen in Frankfurt am Main, http://www.juedische-pflegegeschichte.de/beitraege/institutionen/krankenpflege/juedische-orte-der-pflege-in-bad-nauheim/ (16.03.2017);
Das Holocaust Erinnerungsmal in Bad Nauheim, https://www.holocaust-erinnerungsmal-badnauheim.com/einzelerwähnung/goldschmidt-frieda/, (30.03.2017);
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de876202, (17.01.2017); dort auch die Angaben zu weiteren Verwandten;
Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg – Regensburg nach Theresienstadt. Abfahrt: 23.09.1942 (Transportliste), http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-8.jpg (17.01.2017);
Alemannia Judaica Mönchsroth, http://alemannia-judaica.de/moenchsroth_synagoge.htm (17.01.2017);
Tracing the Past – 1939 German Minority Census, https://www.tracingthepast.org/index.php/en/minority-census/census-database (17.01.2017);

Foto: Archiv Deininger, Mönchsroth
Autorin / Autor Elke Wagner
Paten Frau Elke Wagner
   
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