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Elsa Fränkel, geb. Loeb

   
geboren am 25.10.1880 in Würzburg
Straße  Röntgenring  4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum10.09.1942
Todesdatum00.00.1944
TodesortAuschwitz
   
am 10. September 1942 nach Theresienstadt und von dort am 9. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert, wo sie bald darauf ermordet wurde
   
Elsa (Else) war die älteste Tochter des Kaufmanns Moses Carl Loeb (1848-1926) aus Hambach/Pfalz und seiner Frau Hedwig, geb. Oppenheimer aus Burgkunstadt (1854-1942). Sie kam im Oktober 1880 auf die Welt, nachdem ihre Eltern zu Beginn desselben Jahres in Lichtenfels geheiratet hatten.
Ihr Vater lebte seit 1873 in Würzburg und war einige Zeit als Angestellter tätig, bevor er 1876 das Hut- und Herrenmodegeschäft M. C. Loeb in der Kaiserstraße 3 gründete. Die Familie wohnte zunächst an verschiedenen Adressen in der Kaiserstraße, wo Elsa ihre ersten Kindheitsjahre verbrachte. Nach ihr kamen die Geschwister Emmi 1882, Ludwig 1887, Hertha (gelegentlich auch Bertha) 1892 und Anna 1896 auf die Welt. 1893 bezog die Familie eine Wohnung in der Dominikanergasse 6, zehn Jahre später am Haugerring 9 und weitere 10 Jahre danach, wohl als die Kinder aus dem Haus waren, am Pleicherring 4, dem heutigen Röntgenring, wo Elsa später auch mit ihrer verwitweten Mutter lebte.
Elsa heiratete am 04.07.1911 den Kaufmann Moritz Fränkel (1881-1912), der 1905 aus seiner Heimatstadt Fürth als Kaufmann nach Berlin gegangen war, und zog zu ihm. Bereits wenige Monate später, im Januar 1912 verstarb ihr Ehemann jedoch. So kehrte Elsa in die elterliche Wohnung zurück und übernahm noch im selben Jahr das Geschäft des Vaters, das sie bis zur Aufgabe vermutlich 1934 weiterführte, in den letzten beiden Jahren am Standort Eichhornstraße 23.
Nach dem Tod des Vaters 1926 lebte sie mit der Mutter weiterhin in der Wohnung am Pleicherring 4, bis beide im August 1938 in die Schillerstraße 3 umziehen mussten. In dieser Zeit setzten sich Elsa und ihre Schwester Anna intensiv für Bruder Ludwig ein: Dieser war seit seinem Kriegseinsatz psychisch nicht mehr gesund und wohnte nicht mehr bei der Familie. Er war immer wieder auffällig geworden und wegen wirrer Reden in Strafverfahren verwickelt, die zwar mit einem Freispruch wegen eingeschränkter Schuldfähigkeit endeten; trotzdem wurde er ins KZ Buchenwald gebracht. Elsa und Anna beantragten mehrfach, dass man Ludwig in eine Anstalt verlegen sollte und ließen ihm an einem hohen jüdischen Feiertag ein warmes Essen bringen. Dass sie 1939 seine Verlegung in eine Pflegeanstalt erreichten, änderte jedoch nichts mehr am Schicksal ihres Bruders. Zu dieser Zeit hatten sie noch die Hoffnung, dass allen zusammen die Ausreise gelingen könnte.
Zuletzt wurden Elsa und ihre Mutter 1941 auch aus dieser Wohnung vertrieben und mussten noch kurze Zeit in beengten Verhältnissen im jüdischen Altersheim in der Konradstraße 3 leben, bevor sie im September 1942 nach Theresienstadt deportiert wurden. Dort starb die 88-jährige Mutter bereits nach zwei Monaten an den unmenschlichen Lebensbedingungen. Elsa wurde zwei Jahre später noch nach Auschwitz verschleppt, wo sie kurz darauf ermordet wurde.
Auch Elsas Schwestern Emmi und Hertha wurden Opfer der Shoa: Herthas Spur verliert sich in Auschwitz, nachdem auch sie 1943 mit ihrem zweiten Mann Hans Levi, den sie im März 1942 geheiratet hatte, nach Theresienstadt deportiert worden war. Ihre Schwester Emmi, im März 1942 in das Durchgangslager Izbica deportiert, wurde wohl im gleichen Jahr im Raum Lublin ermordet. Der Bruder Ludwig war bereits 1941 in Dachau zu Tode gekommen.
Nur der jüngsten Schwester Anna, verheiratet mit dem Weinhändler Wilhelm Rothstein (1896-1969), gelang zusammen mit Mann und Sohn Hans Heinz 1938 die Emigration von Berlin in die Vereinigten Staaten, wo sie 1970 starb.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 154, 335f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de867405 (4.1.2016); dort auch Angaben zu den Verwandten;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1873-1942; Grundliste Schillerstraße 3; Heiratsurkunde 339/1911;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Elsa Fränkel und ihren Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/ ;
Staatsarchiv Würzburg Gestapo 6328;
Stadtarchiv München, Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden, 1933-1945, http://www.muenchen.de/rathaus/gedenkbuch/gedenkbuch.html;
mail-Auskunft von Herrn Langer, Stadtarchiv Fürth vom 13.2.2017;
Familysearch (zu Elsas Schwester Anna Rothstein), https://familysearch.org/ark:/61903/1:1:KZQC-LRN.
Autorin / Autor Ingrid Sontag
Paten
   
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