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Ida Kleemann

   
geboren am 23.07.1885 in Würzburg
Straße  Schießhausstraße 15
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum26.03.1942
TodesortWald von Bikernieki bei Riga
   
Am 27.11.1941 von Würzburg in das Lager Riga-Jungfernhof deportiert und am 26.03.1942 im Wald von Bikernieki bei Riga ermordet.
   
Ida Kleemann wurde am 23. Juli 1885 in Würzburg geboren. Hier wuchs sie als jüngstes von drei Kindern des Kaufmanns für Kurz-, Weiß- und Wollwaren Sigmund Kleemann (1853-1920) und seiner Frau Helene, geb. Strauß (1860-1918) auf. Ihr Vater stammte aus Werneck und lebte mit seiner Herkunftsfamilie seit etwa 1870 in der Stadt.

Ida arbeitete nach ihrer Schul- und Berufsausbildung als Verkäuferin, Handelsvertreterin und Filialleiterin. Sie wohnte wie auch ihre Schwester Hermine (1881-1942) weiterhin bei den Eltern in der Schießhausstr. 15. Die Mutter Helene starb jedoch im Jahr 1918 und zwei Jahre später, im Dezember 1920, auch ihr Vater Sigmund. Ihr Bruder Justin (geb. 1883), der in Berlin lebte, kam dort am 20. Dezember 1927 bei einem Autounfall ums Leben.

Zeitlebens unverheiratet, leitete Ida Kleemann mit ihrer ebenfalls unverheirateten älteren Schwester Hermine von 1927 bis 1937 die Filiale „Max Lindemann – Etam“, ein Fachgeschäft für Damenstrümpfe und -wäsche in der Würzburger Altstadt am Kürschnerhof 13. Aus „betriebswirtschaftlichen“ Gründen wurde sie zusammen mit ihrer Schwester im Zuge der durch die NS-Politik forcierten Ausgrenzung der Juden aus Wirtschaft und Gesellschaft 1937 entlassen. Ihrem Arbeitgeber war es offensichtlich ein Anliegen, in ihrem Arbeitszeugnis das große Vertrauen, das er in sie setzte, ebenso wie ihre absolute Ehrlichkeit zu erwähnen. Anders als ihre dann arbeitslose Schwester fand Ida später aber wieder eine Beschäftigung bei der Firma "Leitz & Co." in der Haugerglacisstraße.

Vermutlich bemühten sich die beiden Schwestern nun um ihre Emigration in die USA. Dies belegt ein Brief vom 16. Juni 1938 aus dem Amerikanischen Konsulat Stuttgart. Es geht darin um die Eintragung von Visa und die Ausreise in die USA, beigefügt ist eine Liste des Supreme Court-County of Dutchess, auf der Ida und Hermine vermerkt sind.

1938 wurden die Schwestern dann aus ihrer langjährigen Wohnung in der Schießhausstraße 15 ausgewiesen und wie viele andere jüdische Bürger in den beengten Räumlichkeiten eines sogenannten „Judenhauses“ untergebracht, und zwar in der Friedenstraße 26. Drei Jahre später erhielt Ida im November die Aufforderung, sich zur „Evakuierung“ aus Würzburg, d.h. zur Deportation einzufinden. Wenige Tage vorher mussten die Kleemann-Schwestern ihr gesamtes Vermögen, das zu diesem Zeitpunkt knapp 1.600 Reichsmark betrug, rückwirkend ab dem 15. Oktober 1941 dem Deutschen Reich überlassen. Ihre Möbel wurden für einen Gesamtertrag von 139 RM versteigert.

Am 27. November 1941 wurden die beiden Schwestern über Nürnberg in das Lager Riga-Jungfernhof deportiert. Ebenfalls an Bord des Zuges war ihr Cousin zweiten Grades, Gustav Kleemann (1881-1942), der als Ordner für den Transport und auf dem Jungfernhof schließlich als Lagerältester eingesetzt war, sowie dessen Frau Erna (1892-1942), ferner Gustavs Bruder Max (1879-1942) und dessen Tochter Lore Kleemann (1924-1942). Vier Monate später, am 26. März 1942, wurden nach Zeitzeugenaussagen alle noch lebenden Verwandten der Familie Kleemann auf dem Jungfernhof, darunter auch Ida, bei dem Massaker im Wald von Bikernieki nahe Riga erschossen.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 3936 (Ida Kleemann);
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 308;
Bundesarchiv. Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/899450 (22.12.2017);
1. Transport vom 27./29. November 1941 von Würzburg über Nürnberg nach Riga-Jungfernhof, Liste vom 19.11.1941, StA Wü, Gestapostelle Würzburg 18874, Bl. 16, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg8.jpg (22.12.2017).
Autorin / Autor Sarah Steinborn / Ann-Kathrin Pfeifer / JSZ
Paten
   
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