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Rolanda Winterstein

   
geboren am 03.03.1943 in Würzburg
Straße  Mergentheimer Straße 12 1/2
Stadtteil Steinbachtal
Todesdatum11.04.1943
TodesortUniversitäts-Klinik Würzburg
   
am 11.4.1943 in der Universitäts-Klinik Würzburg ermordet
   
Rolanda Winterstein und ihre Zwillingsschwester wurden am 3.3.1943 in Würzburg geboren. Ihre Mutter, Angehörige der bekannten Würzburger Sinti-Familie, war die Tänzerin Theresia Winterstein, ihr Vater der Musiker Gabriel Reinhardt. Die Mutter hatte sich verpflichtet, den Nazis zu Studienzwecken zur Verfügung zu stehen und nicht schwanger zu werden gegen die Zusage, vom Konzentrationslager verschont zu werden. Im Sommer 1942 musste sie der Gestapo ihre Schwangerschaft melden und statt der geplanten Zwangsabtreibung durfte sie die Zwillinge austragen. Die Bedingung war, dass die Kinder nach der Geburt für Versuchszwecke im Rahmen der Zwillingsforschung des nationalsozialistischen Instituts für Erbbiologie und Rassenhygiene zur Verfügung stehen würden. Dies sollte angeblich die Eltern vor der Deportation in ein KZ bewahren. Die vorgesehene Sterilisation sollte nach der Geburt der Kinder erfolgen. Gleichzeitig mit der Meldung der Schwangerschaft bat Theresia Winterstein um die Erlaubnis, Gabriel Reinhardt heiraten zu dürfen, was später auch geschah.
Rolanda kam ebenso wie ihre Schwester Rita einige Wochen zu früh auf die Welt. Die Zwillinge wurden von der Mutter getrennt, gründlich untersucht und vermessen. Theresia Winterstein bekam sie erst 5 Tage nach der Geburt zu sehen und verließ kurz darauf mit ihnen die Klinik. Vier Wochen später, am 6. April 1943, wurden die beiden Mädchen auf Anweisung der Gestapo in die Universitäts-Klinik Würzburg gebracht. Als sich die Mutter nach wenigen Tagen über den Zustand der Zwillinge Gewissheit verschaffen wollte, musste sie sich mit Gewalt Zugang zu ihren Mädchen erzwingen. Sie fand Rolanda tot auf mit einem Kopfverband und nahm Rita kurz entschlossen mit.
Aufgrund der Vorgeschichte kann man annehmen, dass an den beiden Mädchen medizinische Versuche vorgenommen wurden. Welche Versuche durchgeführt wurden und wer sie vorgenommen hat, konnte auch in einem späteren Prozess nicht mehr festgestellt werden. Möglicherweise war Prof. Dr. Werner Heyde, Ordinarius für Psychiatrie und Neurologie, Direktor der Universitäts-Nervenklinik Würzburg, Leiter der medizinischen Abteilung der Euthanasie-Zentrale in Berlin, an Experimenten beteiligt, wie sie Josef Mengele in Auschwitz durchführte.
Die genauen Umstände von Rolandas Tod am 11. April 1943 lassen sich nicht mehr klären.
Die Schwester Rita überlebte. Sie war später überzeugt, dass ihre gesundheitlichen Probleme mit den Geschehnissen in der Universitätsklinik in diesen Tagen in Verbindung stehen. 2013 hat sie den Würzburger Friedenspreis erhalten für ihr Engagement gegen Rassismus, Antiziganismus und ihr Werben für Versöhnung.
Biographie erstellt September 2006, überarbeitet Mai 2016.
   
Quelle Roland Flade, Dieselben Augen, dieselbe Seele. Theresia Winterstein und die Verfolgung einer Würzburger Sinti-Familie im „Dritten Reich“, Schöningh Verlag, Würzburg 2008.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten
   
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