Ignaz (Isaak) Rindskopf

   
geboren am 27.12.1871 in Großlangheim/Ufr.
Straße  Ottostraße 14
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum12.12.1944
TodesortTheresienstadt
   
deportiert am 23.9.1942 nach Theresienstadt, ermordet am 12.12.1944 in Theresienstadt
Ottostraße 14
   
Ignaz Rindskopf kam 1878 mit seiner Mutter (sein Vater, ein Viehhändler und Landwirt, war im Jahr davor verstorben) nach Würzburg. Hier besuchte Ignaz die Jüdische Volksschule und sechs Jahre lang eine Realschule; anschließend absolvierte er eine Weinhändlerlehre. 1892/93 leistete er seinen Wehrdienst als Einjährig-Freiwilliger ab. Vermutlich 1896 machte er sich zusammen mit seinem Bruder Moritz als Weinhändler selbstständig. Er war Teilhaber, seit 1910 Alleininhaber, der Weingroßhandlung Gebr. Rindskopf, deren Keller und Kontor sich um 1920 im Hause Sanderring 17 befanden. Zuletzt führte er auch die Weingroßhandlung seiner Brüder Moritz und Ludwig, nachdem Moritz 1935 emigriert und Ludwig im selben Jahr verstorben war. Ignaz Rindskopf erwarb 1901 das Bürger- und Heimatrecht in Würzburg, was damals noch mit erheblichen Gebühren verbunden war, ihn aber zum aktiv und passiv Wahlberechtigten für das "Gemeindekollegium" (den Stadtrat) machte. 1915 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger; er wurde zum Unteroffizier ernannt und erhielt verschiedene Auszeichnungen. Aufgrund einer schweren Erkrankung schied er 1917 aus dem Militärdienst aus. Nach dem Krieg war er in politischen Vereinigungen aktiv, die während der Weimarer Zeit von Bedeutung waren, z.B. im (sozialdemokratisch-liberalen) "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold", in der (liberalen) Deutschen Staatspartei und im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Er war Vorstandsmitglied (Kassier) im Würzburger Ortsverband des "Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" und gehörte auch der Gesellschaft "Casino" an, einem Gesellschaftsclub des gehobenen jüdischen Bürgertums, dem auf christlicher Seite die "Harmonie" entsprach. Zusammen mit seinem Bruder Moritz gehörte er zu den führenden Orthodoxen in der jüdischen Gemeinde und war seit Mitte der 1920-er Jahre Vorsitzender der orthodoxen Fraktion in der Kultusverwaltung. Im Januar 1931 wurde er zum 2. Vorsitzenden der Israelitischen Gemeinde gewählt und dürfte nach dem Ausscheiden des langjährigen 1. Vorsitzenden Gerson Haas 1939 an dessen Stelle getreten sein. Damit war er wahrscheinlich der letzte Gemeindevorsitzende bis zum Ende der Kultusgemeinde im Jahre 1943. Zuletzt leitete er auch die Israelitische Kranken- und Pfründnerhausstiftung. Im Novemberpogrom von 1938 wurde er, wie viele prominente Gemeindemitglieder, für eine Woche verhaftet, im Juni 1939 erneut, weil er wegen der bevorstehenden Abschiebung polnischer Juden aus Deutschland mit den Gemeindevorsitzenden in Frankfurt/M. und Berlin korrespondiert und mit ihnen gegen den Termin (1.7.1939) protestiert hatte. Zum Jahresende 1938 wurde auch seine Firma zwangsweise geschlossen. Er plante die Emigration über England nach Palästina, was aber durch den Kriegsausbruch verhindert wurde. Im September 1939 wurde er zusammen mit seiner Ehefrau Rosa, geb. Lehmann, zwangsweise in das jüdische Altersheim ("Judenhaus") Konradstraße 3 eingewiesen. Am 23. September 1942 wurden beide nach Theresienstadt deportiert, wo Ignaz Rindskopf zwei Jahre später verstarb. Seine Frau Rosa überlebte den Holocaust und emigrierte 1948 zu Verwandten nach Israel.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo-Akte 10659
Reiner Strätz, Biogr.Handb.Würzburger Juden
Autorin / Autor Dr. Hans-Peter Baum
Paten Das Dekanat der evangelisch-lutherischen Kirche
   
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